Eine Gruppe junger Frauen war für einen Tag zu uns ins Sommercamp gestoßen. Das Tagesmotto, dem wir folgten, war: „Gott ist am Werk, entdeck es!“ Im Gesicht einer der jungen Frauen sah ich eine tiefe Traurigkeit – auch während der vormittäglichen Workshoparbeit. Mittags nahm ich mir vor, mich an ihren Tisch zu setzen. Als ich in den Speisesaal kam, war neben ihr ein Platz frei. Ich setzte mich mit meinem Teller zu ihr, fragte sie nach ihrem Namen und erzählte ein wenig von mir und den ganzen Aktivitäten des Camps und von den vielen ukrainischen Freunden, die sich so engagiert in die Workshops einbrachten. Als sich die Gruppe am Spätnachmittag wieder verabschiedete, versuchte ich jedem noch einmal ganz persönlich nahe zu sein und einen Brückenschlag von Herz zu Herz zu ermöglichen. Dann fuhren sie. Einen Tag später durfte ich in einer WhatsApp-Nachricht mit Blick auf diese junge Frau lesen: „Als wir abends nochmals den Tag anschauten, war sie wie verwandelt. Sie erzählte total offen und mit großem Interesse von ihrem Tag. Und am nächsten Tag ergab sich ein Gespräch von großer Tiefe. Alles Leid und allen Schmerz konnte sie auf einmal anvertrauen!“
Ein Mann mittleren Alters stand an einem Geländer in der Sonne. Er schien zu warten. Ich sprach ihn an. Er sprach kein Deutsch. So kamen wir über Englisch miteinander ins Gespräch. Er kam aus der Ost-Ukraine. Schnell vertraute er mir. Seine Frau und ihre kleine Tochter stießen zu uns. In der Ukraine hatten beide studiert, geheiratet und sich dann ein kleines Eigenheim mit einem wunderschönen Garten aufgebaut. „Wir sind in der Ukraine am Punkt Null gestartet und hatten es so schön. Jetzt ist alles zerstört! Meine Frau wird da noch nicht mit fertig!“ Ich lud sie in unsere Kirche ein, wo Flüchtlinge auf eine große Holztafel die Karte der Ukraine gemalt haben. Auf kleinen Zetteln können sie dort die Namen ihrer Lieben hinterlassen. Abend für Abend bete ich für all diese Menschen. Die Frau nahm sich sofort einen Zettel. Mit Tränen in den Augen schrieb sie all die Namen ihrer Lieben auf und legte ihn in die Box – ein sehr emotionaler Augenblick. Ich lud die kleine bei uns gestrandete Familie ein, am Hochaltar das Bild der Emmausjünger anzuschauen. Sie kannten die Geschichte nicht. „Spürt ihr das tiefe Vertrauen und die Liebe unter uns in diesen Augenblicken?“ fragte ich behutsam. Die Frau nickte. „Und ich spüre einen tiefen Frieden“, sagte der Mann. Ich schaute die drei an und sagte zu ihnen: „Wo die Liebe ist, da ist Gott gegenwärtig. Er ist uns jetzt ganz nah!“ Unsere Augen füllten sich mit Tränen.
Ein 13 jähriges Mädchen wurde mir spät abends wegen akuter Bauchschmerzen vorgestellt. Ich traf auf ein ungemein reifes, aber sehr schmerzgeplagtes Mädchen. Mir war sofort klar, dass ich sehr behutsam vorgehen musste, um keine Ängste auszulösen. Schnell war mir klar. Ich musste das Mädchen noch in der Nacht operieren.. Es gelang mir eine so gute Beziehung zu dem Mädchen aufzubauen, dass sie - gemeinsam mit ihrer Mutter - in die notwendige OP einwilligte, ohne panisch zu werden. Der durchaus nicht leichte Eingriff gelang gut. Am anderen Tag schon konnte sie nahezu beschwerdefrei entlassen werden. Nach einer Woche kam sie erneut mit ihrer Mutter zu mir, um sich zu bedanken! Sie schenkte mir einen Schlüsselanhänger in der Form einer Hand, die ein Kind in sich behütet. Das junge Mädchen sagte, es sei ihr so wichtig, mir dieses Symbol zu schenken, da sie sich bei mir genauso sicher und geborgen gefühlt habe. Mutter, Tochter und ich lagen uns mit Tränen der Rührung in den Armen!
Eine junge Studentin, die außerhalb ihres Landes studieren wollte, hatte um Unterstützung gebeten. Ich schrieb einen kleinen Artikel über ihr Vorhaben und veröffentlichte ihn in den Pfarrnachrichten. Nach einer Messe kam eine ältere Frau mit osteuropäischen Wurzeln, die in einer tiefen Beziehung mit Gott lebt und übergab mir einen Briefumschlag. Als ich ihn öffnete fand ich eine hohe dreistellige Summe Geld für die junge Studentin. Beim nächsten Treffen sagte ich der älteren Frau: „Ihre Gabe für die Studentin hat mein Herz sehr berührt!“ Sie erwiderte: „Ich weiß, wie es ist, Pläne zu haben und sie nicht realisieren zu können, weil man nichts hat. Ich möchte, dass es der jungen Frau nicht so ergeht!“
Wir waren einander ein einziges Mal begegnet. Unsere Lebenslinien trennten 20 Jahre. Die brüderliche Begegnung war uns tief im Herzen geblieben. Vom ersten Augenblick verband uns ein tiefes und ehrliches Miteinander – getragen von einem ehrlichen Respekt und einer großen Wertschätzung für das Leben und das Engagement des anderen. Jahre hörten wir nichts mehr voneinander. Dann kam ein Anruf. „Ich bin vor kurzem 80 Jahre alt geworden. Ich war immer gesund. Doch vor kurzer Zeit ist eine schwere Krankheit bei mir diagnostiziert worden. Mir steht eine schwere Operation bevor. Als Religionslehrer habe ich viel über die Grenze des Lebens gesprochen. Jetzt zeigt sich mir, was wirklich trägt. Darf ich Dich um Dein Gebet bitten!“ Ganz betroffen von der plötzlichen Botschaft, sagte ich es gern zu. „Das bedeutet mir sehr viel!“ hörte ich mein Gegenüber sagen. „Vielleicht hören wir uns in einigen Monaten wieder am Telefon!“ sagte er. „Egal was wird“, so ließ ich ihn wissen, „wir sind verbunden – über alle Grenzen hinweg!“ – „Das tut so gut zu wissen!“ Dann verabschiedeten wir uns.
Für eine Mutter, die mit ihrem Kind, aus einem fernen Land als Flüchtling zu uns gekommen war, hatte ich zwei Fahrräder besorgt, damit sie mobil sind. Am späten Sonntagabend erreicht mich eine Botschaft von ihr: „Wir sind gerade von einer Fahrradtour nach Hause gekommen. Es war so aufregend. Ich bin Ihnen sehr dankbar für diese wunderbaren Fahrräder, wir hatten eine tolle Zeit. Es ist so gut, Zeit mit seinem Kind zu verbringen. Unsere Zeit ist eines der größten Geschenke, die wir unseren Kindern machen können. Wenn Liebe und Harmonie zwischen Eltern und Kindern herrschen, strahlt das auf die ganze Familie aus und sorgt für ein liebevolles, zuverlässiges und glückliches Umfeld. – Danke!“
In einer Mail darf ich lesen: Meine beiden Kinder sind in ihren Berufen angekommen. Ich bin so stolz auf sie. Vor einigen Jahren kam ich einmal zu Dir. Meine Seele war dunkel und ich suchte das Licht. Auf meine Frage, was ich tun könnte, sagtest du zu mir: „Fang an zu lieben!" Ich hab mir das zu Herzen genommen und ich habe angefangen, ehrlich und richtig zu lieben. Von diesem Augenblick an füllte sich mein Herz mit Licht. Ich bin das, was ich heute bin, durch diese vier Worte geworden: „Fang an zu lieben!“ Ich bin sehr dankbar.
Auf einer längeren Wanderung machte ich Rast auf einer Bank. Drei Ehepaare kamen mit einem kleinen Hund und gesellten sich zu mir. Wir begannen ein lustiges Gespräch und freuten, einander kennenlernen zu können. Ich hatte noch ein drei Fruchtschnitten in meinem Rucksack, für jedes Ehepaar eins. Ich gab sie ihnen mit der scherzhaften Bemerkung: Ehe würde ja auch bedeuten, das Leben zu teilen. Gern nahmen sie die kleine Gabe an. Am Ende bedankten wir einander, uns für diesen kurzen Augenblick begegnet zu sein. „Der bleibt bestimmt in meinem Herzen!“ ließ mich eine der Wanderinnen wissen, als ich weiterzog.
On a long hike, I stopped for a rest on a bench. Three couples came with a small dog and joined me. We started a funny conversation and were happy to get to know each other. I had three fruit slices in my backpack, one for each couple. I gave them to them with the joking remark: marriage would also mean sharing life. They gladly accepted the small gift. At the end, we thanked each other for having met for this short moment. "I'm sure it will stay in my heart!" one of the hikers told me as I moved on.
Während meiner Ferien war ich frühmorgens zu einer Wanderung aufgebrochen. Auf dem Wanderparkplatz hatte ich ein Ganztagesticket gekauft. Als ich am späten Vormittag zurück kam, währte das Ticket noch einen halben Tag lang. Ein jüngeres Ehepaar kam und parkte ihren Wagen neben dem meinen. Ich ging auf sie zu und fragte, ob ich ihnen mit meinem Parkticket eine Freude bereiten könne. Erstaunt schaute mich die Frau an und nahm das Ticket gern entgegen. „So was geschieht ja heute nur noch ganz selten, dass da jemand so aufmerksam ist!“ ließ mich die Frau wissen. Dann ging sie zum Auto, holte zwei Äpfel und gab sie mir: „Die sind für Sie. Sie sind frisch aus unserem Garten!“ Dann verabschiedeten wir uns. Heute nun – Wochen nach dem Urlaub – fiel mein Blick auf diesen Apfel. Voller Freude nahm ich ihn zur Hand und aß ihn. Meine Gedanken wanderten zurück zu dem Augenblick dieser schönen und ehrlichen Begegnung und ich spürte eine tiefe Freude im Herzen.
Etwas leichtsinnig, ohne Regenkleidung, ging ich bei unsicherem Wetter aus dem Haus. Ich vertraute darauf, dass es nicht regnen würde. Langsam tauchten immer dunklere Wolken auf, die sich in einem Sturm mit peitschendem Regen entleerten. In einer offenen Garage fand ich einen trockenen Unterschlupf. Im Trockenen betete ich für die vielen Menschen, die im Tropenregen in einfachen Zelten überleben mussten, die in Pakistan mit dieser furchtbaren Überschwemmung zurechtkommen mussten. In der halben Stunde bis zum Ende des Sturms fand ich in ein tiefes Gespräch mit Gott. Ich bat Ihn, dass ich in Schwierigkeiten oder Problemen, nie an Seiner Liebe zweifeln möge. Als ich nach Hause ging, staunte und freute ich mich über einen wunderschönen Regenbogen, ein Zeichen göttlicher Liebe zu mir und zu unserer Welt.
Aus den Nachrichten hatte ich erfahren, dass die Luftangriffe in der Ukraine wieder massiv zugenommen hatten. Ich kontaktierte mehrere go4peace-Freunde in dem Land, um sie unsere Verbundenheit spüren zu lassen. Seit Monaten wusste ich um ihre Angst. Daraufhin erreichte mich eine Antwort, die mich sehr bewegt: „Weißt Du, es gibt Momente, da scheint alles zusammenzu-brechen. Ich versuche, eine Aufgabe zu beenden und ein Treffen vorzubereiten, aber ich habe keine Lust. Meine ganze Aufmerksamkeit wird von den Nachrichten in Anspruch genommen, die eintreffen. Es sind wieder Raketen vom Kaspischen Meer abgefeuert worden. Schockstarre. Ich versuche, Verwandte und Bekannte anzurufen. Und ich werde sehr wütend, wenn keine Antwort kommt. Der Verstand will nicht akzeptieren, dass der Mobil-Dienst nicht gut funktioniert. Und dann frage ich in all dem, was Gott will, was er von mir will. In unserem go4peace-Monats-Kommentar vom Oktober lese ich: ‚Nicht lau sein, sondern eine Entscheidung treffen!‘ So entscheide ich mich für kleine Schritte. Ich beschließe, meine Mitarbeiter zu kontaktieren und sie zu bitten, aus Sicherheitsgründen zu Hause zu bleiben. Ja, immer neu kleine Entscheidungen treffen, vorwärts gehen, Gott bitten, auch wenn ich ihn oft nicht spüre, glauben, dass er sich in den Menschen und Situationen des Tages zeigen wird… Zwei Tage unter den Raketen machen mich wahnsinnig, aber ich bleibe auf dem Weg. Danke für all Deine Verbundenheit! Ich brauche sie. Ich spüre mit den Sinnen meiner Seele, ER, Jesus, ist unter uns, will immer neu geboren werden. Das trägt mich sehr! Danke!“
Fast wöchentlich erscheint eine sehr alte ukrainische Frau in unserem ehrenamtlich geführten Kleiderladen. Sie schaut vorbei, auch wenn sie gar nichts braucht. Wir verständigen uns meistens nur über Mimik und Gestik. Sie spürt, dass sie total willkommen ist. Obwohl sie in ihrem hohen Alter alles zurücklassen musste und miterleben muss, wie ihre Heimat zerstört wird, strahlt sie uns immer glücklich an und erzählt ganz viel. Dann nimmt sie uns in den Arm und wir freuen uns jedes Mal sehr, wenn sie kommt. Es ist nebensächlich, ob wir irgendetwas verstehen oder nicht. In den Augenblicken unserer Begegnung ereignet sich eine Liebe zwischen uns, die stärker ist als jedes Leid. Jesus ist in diesen Augenblicken wirklich da. Die strahlenden Augen der alten ukrainischen Frau nehme ich dann im Herzen mit nach Hause. Diese tiefe Liebe, die sich zwischen Menschen verschiedener Nation und Generation schenkt, ist durch keine Rakete zerstörbar.
Ich hatte noch ein wenig Zeit und wollte sie gern jemandem schenken. Ich wusste um einen Ort, wo sich nachmittags ukrainische Flüchtlinge trafen. Ich gesellte mich zu ihnen. Ein junges Ehepaar fiel mir auf. Sie standen mit einem kleinen Kind am Rand und schienen ein wenig scheu. Ich gesellte mich zu ihnen. Die Verständigung war nicht leicht. Immer wieder musste ein Übersetzungsprogramm auf dem Handi helfen. Die Frau war mit dem kleinen Kind schon über sechs Monate in Deutschland, der Mann erst kürzlich aus den russisch gewordenen Gebieten geflohen. Er mühte sich, von sich und seiner Situation zu erzählen. Er war richtig glücklich, jetzt mit seiner Frau und kleinen Tochter in Sicherheit zu sein. Die drei hatten entschieden, in unserem Land zu bleiben. Als ich mich nach einer guten Stunde verabschiedete, tippte der Mann einen ukrainischen Satz in sein Handy. Übersetzt las ich: „Danke, dass Du bei uns geblieben hast und uns Deine Zeit und Deine Liebe geschenkt hast!“
Früh morgens schon saß ich im Frisörshop. Ich war der erste Kunde. Es war noch ruhig. Die Frau, die mich bediente, war wohl mit dem linken Bein aufgestanden. Alles schien schwer und alle Themen, die sie im Herzen hatte, waren belastend: Corona, Energiekrise, Krieg, Ungerechtigkeit, Angst vor der Zukunft… Was kann ich tun, um sie aus diesem dunkeln Loch heraus zu holen, fragte ich mich. Mir kam die Erfahrung mit den Zwiebeln vom Vortag in den Sinn. Einer inneren Stimme folgend war ich zu eine ukrainischen Familie aufgebrochen und hatte ihnen – unerwartet eine Kiste voller Kartoffeln, Zwiebeln und Äpfeln vorbei gebracht. Die Mutter dieser Familie war davon so berührt gewesen, hatte sie doch am Morgen alle ihre Zwiebeln einer befreundeten Familie gegeben, die dringend welche brauchten. Und dann stand ich da mit all den Früchten der Erde. „Boh, das ist ja toll. Ich bekomme gerade eine Gänsehaut!“ hörte ich meine Friseuse sagen. „Und so können wir jeden Augenblick mit dem Licht der Liebe füllen!“ fügte ich hinzu und schaute sie an. „Stimmt, danke fürs Erzählen. Das hat meinen Tag aufgehellt. Jetzt geht’s anders weiter. Nochmals Danke!“ Als ich ihr noch ein kleines Trinkgeld gab, strahlte sie. Mit diesem Strahlen beschenkt verließ ich den Shop.
Mein Handy lässt mich wissen, dass eine Sprachnachricht aus Südosteuropa angekommen ist. Neugierig höre ich hinein. „Ich muss dringend eine Erfahrung mit Dir teilen!“ darf ich da hören. „Du weißt, wie sehr ich mit den täglichen Mottos lebe. Ich übersetze sie in meine Muttersprache und gebe sie in meinem Land täglich an viele Menschen weiter. Heut war ja das Motto: ‚Fang wieder neu an! - Start again!‘ Und das passte mal wieder genau in meine Lebenssituation. Mir ist eine neue Arbeitsstelle angeboten worden, von der ich noch nicht genau weiß, was sie beinhaltet. Da ich auf meiner jetzigen Stelle auch noch nicht so lange arbeite, war ich mir sehr unsicher, ob es dran ist, dem neuen Angebot nachzugehen. Und dann kam das Motto und ich wusste sofort: Es ist für mich! Wag Dich und mach Dich neu auf den Weg! Danke von Herzen!“
Es war ein Tag voller Hiobsbotschaften. Und vieles, was ich mir vorgenommen hatte, funktionierte nicht, die Geschäfte übervoll… Ich spürte meine Grenzen. Mitten in einem Geschäft blieb ich hinter einem Regal stehen und fragte mich nach dem Tagesmotto: „Hab ein offenes Herz!“ – meins war gerade in der Gefahr, sich zu verschließen. Ich entschied mich, den negativen Gefühlen keinen Raum zu geben, sondern jeweils im Augenblick offen für das Leben zu sein. An der Brottheke sagte eine junge Verkäuferin gedankenverloren zu sich selbst: „Eigentlich müsste ich auch mal was Trinken!“ – „Auch das noch in dem ganzen Trubel!“ bemerkte ich scherzhaft. Sie schaute auf und lächelte. Nachdem ich bezahlt hatte, rief sie mir nach: „Danke!“ – Da ich in dieser Bäckerei ein besonderes Brot, das ich für jemanden kaufen sollte, nicht bekommen hatte, zog ich weiter. In der nächsten Bäckerei fand ich das, was ich brauchte. Beim Bezahlen hatte ich nur einen 50 €-Schein für das Brot zur Hand. Ich ließ die Verkäuferin wissen: „Tut mir leid, aber ich kann nur mit diesem großen Schein bezahlen!“ und schaute sie dabei an. „Kein Problem, das kriegen wir schon hin!“ Dann rechnete sie mir das Geld in vielen kleinen Scheinen vor. „Sie hätten auch Mathematikerin werden können!“ scherzte ich. Ihre Antwort: „Das mach ich dann im Nebenjob!“ Lächelnd verabschiedeten wir uns. Als ich wieder zu Hause war, kam die nächste schwere Nachricht, aber mein Herz war frei, um sie aufzunehmen.
Eine Woche lang hatten sich Jugendliche eingesetzt, Geld für eine Familie zu sammeln, die beim Hochwasser viel verloren hatte und nun vor großen Herausforderungen stand. Fünf Tage lang hatten die jungen Leute von morgens bis abends Waffeln gebacken und verkauft. Nun war entschieden: Wir fahren die Familie besuchen! Ein Sohn der Familie, der in einer Einrichtung für Menschen mit besonderem Bedarf lebte, hatte durch das Hochwasser viele seiner Freunde verloren. Sie waren ertrunken. Wir machten uns auf den Weg. Alles, was es für ein gemeinsames Kaffee-Trinken braucht, nahmen wir mit. Als wir ankamen, wurde das ganze Ausmaß der Zerstörung deutlich. Der Keller und das gesamte Erdgeschoß des Hauses waren völlig zerstört. Die Familie hatte Todesängste durchgestanden. Das Leben war ihnen ein zweites Mal geschenkt worden, ließen sie uns wissen. Draußen in allen Straßen lagen bis zu 9 Meter hohe Schuttberge. Über zwei Stunden hörten wir zu, nahmen das ganze Erleben der einzelnen tief ins Herz. Dann gingen wir durch ihre Stadt, einst ein Kleinod im Ahrtal, jetzt eine Geisterstadt. Als wir uns verabschiedeten, hatten wir den Eindruck, einander schon lange zu kennen. Der Sohn der Familie nahm mich fest in den Arm, drückte mich und sagte mit Tränen in den Augen: „Heute war ein guter Tag!“
For one week, young people had worked to raise money for a family that had lost a lot in the floods and now faced great challenges. For five days, the young people had baked and sold waffles from morning to night. Now it was clear: We are going to visit the family! A son of the family, who lived in a home for people with special needs, had lost many of his friends in the flood. They had drowned. We set out on our way. We took everything we needed to drink coffee together. When we arrived, the full extent of the destruction became clear. The basement and the entire ground floor of the house were completely destroyed. The family had endured mortal fears. Life had been given to them a second time, they told us. Outside, in all the streets, there were mountains of rubble up to 9 metres high. We listened for more than two hours, taking the whole experience of each of them deep into our hearts. Then we walked through their town, once a jewel in the Ahr valley, now a ghost town. When we said goodbye, we had the impression that we had known each other for a long time. The son of the family took me tightly in his arms, hugged me and said with tears in his eyes: "Today was a good day!"
Wir hatten meiner Schwiegermutter zum ihrem Geburtstag einen Herzenswunsch erfüllen wollen und ihr eine Gruppenreise nach Dresden geschenkt. Sie hat die Zerstörung dieser Stadt als Kind miterlebt und immer davon geträumt, die Frauenkirche nach ihrem Wiederaufbau einmal in ihrer Schönheit wiederzusehen. Leider wurde die Reise abgesagt. Meine Schwiegermutter hat eine fürchterliche Kindheit erlebt: Vertreibung und Flucht aus Oberschlesien mit 12 Geschwistern, eine ganz kleine Schwester ist dabei verhungert, ein Bruder bei einer Explosion gestorben, die Mutter verschüttet und nur mit Glück gerettet… Nun wollte unser Sohn eine Woche bei einem Freund in Leipzig verbringen. Mein Mann und ich entschieden, ihn dorthin zu bringen und meine Schwiegermutter einzuladen, die Woche mit uns in Dresden zu verbringen. Es wurde eine großartige Zeit! Sie war so glücklich! Wir haben sie verwöhnt, so gut es ging. Als sie dann vor der Frauenkirche stand und sie besichtigen konnte, hatte sie Tränen in den Augen. Nachher hat sie in den Himmel geschaut und zu ihrem verstorbenen Mann gesagt: „Hoffentlich kannst du das hier alles im Himmel auch sehen!“ Wir haben jede gemeinsame Minute in Frieden verbracht und ihre Freude tief in unseren eigenen Herzen mitempfunden.
We wanted to fulfil a wish of my mother-in-law's heart for her birthday and gave her a group trip to Dresden. She had experienced the destruction of this city as a child and always dreamed of seeing the Frauenkirche in all its beauty again once it had been rebuilt. Unfortunately, the trip was cancelled. My mother-in-law experienced a terrible childhood: expulsion and flight from Upper Silesia with 12 siblings, a very small sister starved to death, a brother died in an explosion, the mother was buried and only saved with luck... Now our son wanted to spend a week with a friend in Leipzig. My husband and I decided to take him there and invite my mother-in-law to spend the week with us in Dresden. It turned out to be a great time! She was so happy! We spoiled her as much as we could. When she stood in front of the Frauenkirche and visited it, she had tears in her eyes. Afterwards, she looked up into the sky and said to her late husband, "I hope you can see all this in heaven too!" We spent every minute together in peace and felt her joy deeply in our own hearts.
Vor wenigen Tagen haben wir eine Kollegin in den Ruhestand verabschiedet. Sie hat in den letzten Wochen noch ein quirliges erstes Schuljahr übernehmen müssen, weil die Klassenlehrerin krank wurde. Einer unserer wildesten Jungen konnte sich noch gar nicht an die Schule gewöhnen. Er hat mit seinen äußerst abenteuerlichen Ideen für eine Menge Aufregung und Stress gesorgt. (Er fand zum Beispiel eine offene Tüte Mehl im Klassenschrank und dachte, dass es auch im Sommer in der Klasse mal kräftig schneien sollte, während sein Zwillingsbruder das Mehl am Boden noch mit viel Wasser in eine schöne Schlammschicht verwandelte.) Meine Kollegin hat aber nie die Nerven verloren und hat ihm mit Liebe und Geduld Halt gegeben. Als die ganze Schulgemeinschaft Abschied nahm rannte der Kleine plötzlich aus der Menge heraus zu ihr und ließ sie die ganze Zeit nicht mehr los. Es hat uns das Herz gebrochen, denn der Kleine hat genau das ausgedrückt, was wir alle sagen wollten: „Du kannst doch nach 30 Jahren nicht wirklich gehen!“ Es war traurig, aber in diesen Momenten war Gott ganz nahe.
Seit März bin ich Teil eines „Rote Kreuz Teams“ und helfe bei ihrer Tätigkeit, Menschen im Impfzentrum in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, zu versorgen. Der erste Tag, an dem ich dort war, war beeindruckend! Und es ist es jetzt, nachdem ich vier Monate schon dort arbeite, immer noch! Es hat mir so viel Spaß gemacht, den Menschen zu helfen, besonders den älteren! Sie sind so freundlich und voller Leben, sie sind wie lebendige Edelsteine. Sie wissen so viel. Wenn ich nur 5 Minuten mit ihnen rede, lerne ich immer etwas Neues über das Leben und sie freuen sich, dass jemand sich Zeit nimmt und mit ihnen redet! Und wer kann dir besser etwas über das Leben beibringen als diejenigen, die es durchgemacht haben! Und auch die anderen Mitglieder der Gruppe sind toll! Auch wenn wir nicht bezahlt werden, haben wir immer noch die beste Zeit dort, wir lachen, wir machen Witze, wir sind so müde, dass wir bald nicht mehr auf unseren eigenen zwei Füßen stehen können, aber wir finden immer noch den Mut, Witze zu machen! Es ist wunderbar. Da das heutige Motto "Entdecke die Früchte" lautet, teile ich mit euch allen die Früchte dieser wunderbaren Erfahrung, die Gott mir geschenkt hat!