Erfahrungen

Richtet einander auf!

"Bitte bete für einen kleinen Jungen meiner Schule", las ich in einer Mail. Und dann erschreckte mit folgende Erfahrung: „Die Tür eines Klassenraumes unserer zweiten Schuljahre stand während der Frühstückspause auf. Diese Klasse unterrichte ich selber nicht. Ich hörte ein Schluchzen und ging hinein. Ein Junge erzählte mir völlig aufgelöst, dass sein Mitschüler Markus ihn geschlagen habe. Ich war von dem Ausmaß der Gewalt geschockt, die in dieser Alltagsstufe absolut selten ist. Der schluchzende Junge hatte eine geschwollene Backe und seine Lippe war aufgeplatzt und blutig. Ich habe ihn getröstet und die Verletzung notdürftig versorgt. Als ich mit Markus darüber reden wollte, sah er durch mich hindurch - starr, wie erfroren. Seine Augen schienen absolut leer. Das hat mich bis ins Mark getroffen. Er ist doch erst sieben Jahre alt. Meine Kollegin erzählte mir, dass der Kleine kein richtiges Zuhause hat. Eine Pflegefamilie wurde nicht gefunden. Im Heim fühlt er sich nicht zu Hause. Er weiß nicht, wohin mit seiner Verlassenheit und Verzweiflung. Wahrscheinlich gibt es niemanden, der ihn aufrichtig liebt. Das ist so furchtbar traurig.“

Liebe ist stärker als Hass!

Ich zog in eine neue Pfarrei. Als ich mich dem Ort näherte, versperrte ein Lastwagen, der Material ablud, den Weg. Ich war dicht an ihm dran, musste aber das halbe Auto auf den Bürgersteig fahren. Auf dem breiten Bürgersteig vor einem der Nachbarhäuser wusch jemand sein Auto. Er war ins Haus gegangen und ein Eimer Wasser stand mir im Weg. Ich stieg aus und schob den Eimer vorsichtig zur Seite. In diesem Moment kam der Mann aus dem Haus. Er sagte etwas zu mir, aber ich konnte es wegen des Lärms des Lastwagens nicht verstehen. Deshalb ging ich näher zu ihm und er sagte: "Ist das normal für Sie, auf dem Bürgersteig zu fahren?" Ich entgegnete, dass es mir Leid täte und dass mein Ziel nur ein paar Meter entfernt sei. Ich müsse zum Pfarrhaus. Ich hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als er mir ein sehr verletzendes Schimpfwort an den Kopf warf. Ich war schockiert. So eine hasserfüllte Reaktion! Außerdem hatte mir der Mann gesagt, ich solle von der anderen Seite in die Straße fahren. Aber ich kannte das alles noch nicht. Die bösen Worte, die ich gehört hatte, beschäftigten mein Herz. Ich kam in die neue Gemeinde und dann so ein Hass. Ich lud meine Sachen im Pfarrhaus ab. Da erinnerte ich mich an den morgendlichen Impuls von Meinolf: "Sprich die Sprache des Himmels!", die Sprache der Liebe. Ich fragte mich: "Willst du weiterhin den Schmerz im Herzen haben und immer noch an das Schlechte denken, oder willst du ihn in Liebe verwandeln?" Mir kam der Gedanke, dem Mann noch etwas Putzzeug für sein Auto zu schenken. (Aber insgeheim sagte ich mir: "Hoffentlich finde ich nichts.") Aber Gott nahm mich ernst. Ich fand Reinigungsmittel im Pfarrhaus und kehrte mit dem Auto zurück zu dem Mann. Ich hielt an. Unsicher schaute er mir entgegen. Er erwartete jetzt meine Abrechnung. Ich ging zu ihm und sagte: "Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass Sie mir einen guten Rat gegeben haben. Es war wirklich möglich, von der anderen Seite in die Straße zu fahren." Er nickte verwirrt. Dann fragte ich ihn: "Kann ich Ihnen ein paar Sachen zum Waschen des Autos geben? Ich brauche sie nicht mehr." Ich reichte ihm die Schachtel. "Nein, nein, danke." Er nahm sie nicht an, aber ich hörte aus seinem Mund: "Danke!" Ich bin sicher, er wird nicht vergessen, dass jemand unverständlicherweise auf seinen Hass mit Liebe reagiert hat. Schließlich gab ich die Schachtel der Tochter einer alten Dame, die wir zufällig trafen, als wir ihre Mutter im Krankenhaus besuchten. Der Hass in meinem Herzen war nicht mehr da. Die Sprache der Liebe hatte gesiegt!

Ich musste bleiben!

Nach unserem Sommer-Pfadfinderlager arbeitete ich wieder in einer Familie mit Pflegekindern. Dann passierte etwas Seltsames. Ich hatte ihren Hausschlüssel in deren Garten verloren und konnte ihn nicht mehr finden. Ich ging fast jeden Tag in den Garten und versuchte, ihn zu finden. In diesen Tagen passierte eine Menge Unvorhergesehenes in der Familie, und es war sehr gut, dass ich da war und helfen konnte. Ich betete zu Gott, dass er mir helfe, diesen Schlüssel wieder zu finden. Ich fühlte mich schuldig und verantwortlich für sein Verschwinden. Am dritten Tag der Suche (am Sonntag!) fand ich ihn endlich im Gras. Ich war so glücklich! Ich verstand, dass Gott mich in dieser Zeit in der Familie haben wollte, auch wenn meine Hauptabsicht darin bestand hatte, diesen Schlüssel zu finden.

Kinder - mit Gott auf Du!

Als ich in einer Klasse ein kleines Ritual eingeführt habe, wie man frei betet, kamen so viele Kinder mit ehrlichen und wichtigen Gedanken, die sie Gott sagen wollten, dass die Unterrichtszeit nicht reichte. Obwohl viele Familien mit Religion nichts zu tun haben, hatten die Kinder die unerschütterliche Gewissheit, dass Gott ihre Sorgen ernst nimmt, ihnen zuhört und sie liebt. Am gleichen Tag führten mich einige Kinder zu einem weinenden Jungen im Flur, der mir erzählte, dass er sich nach seinem Bruder sehnt, der tot ist und den er nie kennengelernt hat. Ich habe versucht ihm zu erklären, dass sein Bruder immer in Liebe ganz eng mit ihm verbunden ist und er ihn einmal im Himmel kennenlernen wird. Er hat nichts gesagt, nur zugehört und mich angesehen. In diesem Blick lag Hoffnung. Ich sah vor meinem inneren Auge die beiden Brüder aufeinander zulaufen und sich umarmen, und ich bin mir absolut sicher, dass es ganz genauso sein wird. Ich bin glücklich und dankbar, dass mir diese kostbaren Momente geschenkt worden sind.

Hände mit Narben

Ich saß letzte Woche nach einem Schultermin am Ufer eines kleinen Flusses und wusste nicht wohin mit meinem Schmerz und meiner Angst. Mein Sohn ist immer noch krank und nächste Woche muss er Klausuren schreiben. Er ist aufgrund schwerer Erfahrungen zutiefst geplagt von Ängsten. Weiterhin ist mein kleines Patenkind aufgrund einer schweren familiären Situation so fertig mit der Welt, dass möglicherweise das Jugendamt zu Hilfe eilen muss, zumal eine anstehende Therapie noch Monate auf sich warten lässt. In solchen Augenblicken schaut’s sehr, sehr dunkel in mir aus. Aber wenn mich die Panik manchmal mit aller Kraft überkommt, lege ich sie in Jesu Hände und sie lässt wirklich nach. Es sind Hände mit Narben und merkwürdigerweise ist das tröstlich, weil er für uns durch dieses ganze unermessliche Leid gegangen ist und uns jetzt darin begegnet.

Mein Job - ein echter Traum!

Nach einer Religionsstunde kam ein Mädchen zu mir, nachdem wir darüber gesprochen hatten, warum die Menschen von Jesus so begeistert waren und heute noch sind. Sie sagte: „Also, meine liebe Lehrerin! Weißt Du, Jesus ist echt der Beste überhaupt! Jetzt versteh ich endlich, wieso es überhaupt das Fach Religion gibt!“ – Als ich in das strahlende Gesicht des Mädchens schaute, dachte ich: „Mein Job ist echt ein Traum!“

Sei auf Empfang!

Der Morgenimpuls am Fest Mariä Geburt war mir nachgegangen. Das Motto „Sei auf Empfang!“ war mir im Herzen geblieben. Ich traf zufällig eine junge Frau im Treppenhaus, grüßte sie und entschied mich, offen zu sein, falls noch etwas folgen sollte. Zunächst redeten wir über die Post, die wir erwarteten, dann sprach ich sie auf ihre frische große Narbe am Oberarm an. Daraufhin erzählte sie mir von ihrem Unfall vor wenigen Tagen. Ich merkte, wie gut es ihr tat, dass ich ihr anteilnehmend zuhörte. Bisher waren wir uns in dem Mehrparteienhaus noch nie so nahe gekommen. - Schön, dass "Maria-Sein" so schön sein kann!

Ein Blick in verweinte Augen

Drei Stunden musste ich in der Notaufnahme eines Krankenhauses auf meine Mutter warten. Da es ihr nicht gut ging, spürte ich, wie traurig mein Herz war. Ich betete zu Jesus und fragte ihn, was jetzt dran sei. Da kam mir das Motto "Don't stop giving!" in den Sinn. Sofort habe ich auf all die anderen Menschen geschaut, die mit mir warteten. So versuchte ich Brücken zu bauen. Mit einem jüngeren Ehepaar entwickelte sich ein ganz schönes Gespräch und ich konnte ihnen viel über go4peace erzählen. Sie waren sehr berührt und haben sich, als sie gingen, noch zwei Mal für das Gespräch bedankt! Dann kam ein kleines Mädchen mit seinem Vater in die Notaufnahme. Es hatte sich den Arm gebrochen und weinte sehr. Auch der Vater war mit der Situation ein wenig überfordert. Der weinende Blick des Mädchens traf mein Herz. In dem Warte-Zimmer war ein Automat, mit dem Süßigkeiten zu kaufen waren. So hab ich dem Mädchen Schokolade gekauft. Dann bin ich zu ihr gegangen. Sie weinte bitterlich. Ganz vorsichtig habe ich sie gefragt, ob ich ihr etwas schenken dürfte. Sie schaute auf die Schokolade, dann in meine Augen und begann für einen kurzen Augenblick zu lächeln. Ich spürte, in diesen verweinten Augen hat mich Jesus angeschaut...

Alles war zerstört! - Everything was destroyed!

Eine Woche lang hatten sich Jugendliche eingesetzt, Geld für eine Familie zu sammeln, die beim Hochwasser viel verloren hatte und nun vor großen Herausforderungen stand. Fünf Tage lang hatten die jungen Leute von morgens bis abends Waffeln gebacken und verkauft. Nun war entschieden: Wir fahren die Familie besuchen! Ein Sohn der Familie, der in einer Einrichtung für Menschen mit besonderem Bedarf lebte, hatte durch das Hochwasser viele seiner Freunde verloren. Sie waren ertrunken. Wir machten uns auf den Weg. Alles, was es für ein gemeinsames Kaffee-Trinken braucht, nahmen wir mit. Als wir ankamen, wurde das ganze Ausmaß der Zerstörung deutlich. Der Keller und das gesamte Erdgeschoß des Hauses waren völlig zerstört. Die Familie hatte Todesängste durchgestanden. Das Leben war ihnen ein zweites Mal geschenkt worden, ließen sie uns wissen. Draußen in allen Straßen lagen bis zu 9 Meter hohe Schuttberge. Über zwei Stunden hörten wir zu, nahmen das ganze Erleben der einzelnen tief ins Herz. Dann gingen wir durch ihre Stadt, einst ein Kleinod im Ahrtal, jetzt eine Geisterstadt. Als wir uns verabschiedeten, hatten wir den Eindruck, einander schon lange zu kennen. Der Sohn der Familie nahm mich fest in den Arm, drückte mich und sagte mit Tränen in den Augen: „Heute war ein guter Tag!“

For one week, young people had worked to raise money for a family that had lost a lot in the floods and now faced great challenges. For five days, the young people had baked and sold waffles from morning to night. Now it was clear: We are going to visit the family! A son of the family, who lived in a home for people with special needs, had lost many of his friends in the flood. They had drowned. We set out on our way. We took everything we needed to drink coffee together. When we arrived, the full extent of the destruction became clear. The basement and the entire ground floor of the house were completely destroyed. The family had endured mortal fears. Life had been given to them a second time, they told us. Outside, in all the streets, there were mountains of rubble up to 9 metres high. We listened for more than two hours, taking the whole experience of each of them deep into our hearts. Then we walked through their town, once a jewel in the Ahr valley, now a ghost town. When we said goodbye, we had the impression that we had known each other for a long time. The son of the family took me tightly in his arms, hugged me and said with tears in his eyes: "Today was a good day!"

Wer gibt gewinnt! - He who gives wins!

Wir hatten meiner Schwiegermutter zum ihrem Geburtstag einen Herzenswunsch erfüllen wollen und ihr eine Gruppenreise nach Dresden geschenkt. Sie hat die Zerstörung dieser Stadt als Kind miterlebt und immer davon geträumt, die Frauenkirche nach ihrem  Wiederaufbau einmal in ihrer Schönheit wiederzusehen. Leider wurde die Reise abgesagt.
Meine Schwiegermutter hat eine fürchterliche Kindheit erlebt: Vertreibung und Flucht aus Oberschlesien mit 12 Geschwistern, eine ganz kleine Schwester ist dabei verhungert, ein Bruder bei einer Explosion gestorben, die Mutter verschüttet und nur mit Glück gerettet…
Nun wollte unser Sohn eine Woche bei einem Freund in Leipzig verbringen. Mein Mann und ich entschieden, ihn dorthin zu bringen und meine Schwiegermutter einzuladen, die Woche mit uns in Dresden zu verbringen. Es wurde eine großartige Zeit! Sie war so glücklich! Wir haben sie verwöhnt, so gut es ging. Als sie dann vor der Frauenkirche stand und sie besichtigen konnte, hatte sie Tränen in den Augen. Nachher hat sie in den Himmel geschaut und zu ihrem verstorbenen Mann gesagt: „Hoffentlich kannst du das hier alles im Himmel auch sehen!“ Wir haben jede gemeinsame Minute in Frieden verbracht und ihre Freude tief in unseren eigenen Herzen mitempfunden.

We wanted to fulfil a wish of my mother-in-law's heart for her birthday and gave her a group trip to Dresden. She had experienced the destruction of this city as a child and always dreamed of seeing the Frauenkirche in all its beauty again once it had been rebuilt. Unfortunately, the trip was cancelled.
My mother-in-law experienced a terrible childhood: expulsion and flight from Upper Silesia with 12 siblings, a very small sister starved to death, a brother died in an explosion, the mother was buried and only saved with luck...
Now our son wanted to spend a week with a friend in Leipzig. My husband and I decided to take him there and invite my mother-in-law to spend the week with us in Dresden. It turned out to be a great time! She was so happy! We spoiled her as much as we could. When she stood in front of the Frauenkirche and visited it, she had tears in her eyes. Afterwards, she looked up into the sky and said to her late husband, "I hope you can see all this in heaven too!" We spent every minute together in peace and felt her joy deeply in our own hearts.

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Meinolf Wacker
Kirchplatz 7
59174 Kamen

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