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Tu’s für eine bessere Welt!

Sie arbeitete als Praktikantin in unserer Lerngruppe, war gebürtig aus Syrien und hatte vor über zehn Jahren aus ihrer Heimat fliehen müssen. Ich fragte sie vorsichtig, ob sie bereit wäre, den Jugendlichen davon zu erzählen. Sie bejahte und erzählte von ihrer langen Flucht durch Wüsten, über Wasser - immer in der Nacht. Sehr bewegt stellte sie dar, wie alle Menschen eines Bootes, das vor dem ihren unterwegs war, ertrunken waren... Später dann ließ sie mich wissen, dass sie am Tag vor der Präsentation zu Hause geweint hatte. Sie hatte Angst, von all dem zu erzählen, hatte sich dann aber doch überwunden und gedacht hat: „Tu’s für die Kinder und für eine bessere Welt!“ - Nach ihrer Erzählung sagte eine Schülerin: „Das werde ich nie vergessen.“ Ein anderer bemerkte leise: „Ich bin nur noch Gänsehaut.“ Mir fiel das Motto des Tages ein: „Tu, was jetzt zu tun ist.“ Wir schenkten ihr einen Blumenstrauß. Sie sagte uns mit Tränen in ihren Augen: „Ihr seid meine zweite Familie.“

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Wie geht es dir?

Noch schnell zum Briefkasten, denn ich hatte von einer älteren Frau gehört, die sich auf ihre letzte Lebensetappe machte und so hatte ich ihr noch einen Kartengruß geschrieben, der sie noch erreichen sollte. Auf dem Weg traf ich einen Obdachlosen. Er war vor über 10 Jahren aus dem Iran gekommen. Ich hatte ihn und hatte ihn lange nicht gesehen. Ich grüßte ihn kurz. Er sprach mich an, so blieb ich stehen. „Wie geht es dir?“ fragte er mich. Ich schaute ihn an und erwiderte: „Ich bin zufrieden!“ Seine Antwort: „Oh, das hört man selten. Zufrieden sein, im Frieden mit sich sein, das ist das größte Geschenk, denn das kann man mit Geld und mit nichts auf der Welt kaufen. Was für eine Aussage: Im Frieden sein!“ Dann lächelte er mich an, wünschte mir noch einen schönen Abend und sagte: „Ach könnte doch auch ich so im Frieden mit mir sein.“

Einander begegnet

Wir kamen aus verschiedenen Welten und waren uns in einem Seminar begegnet – sie aus Nordafrika, ich aus Europa, sie jung an Jahren und ich schon älteren Semesters, sie im muslimischen Glauben unterwegs, ich im christlichen, sie als Teilnehmerin des Seminars, ich als Impulsgeber … was uns einte war der tiefe Wunsch, für ein lebendiges Miteinander vieler Menschen – Brücken über Gräben bauend – zu leben. Wir saßen beim Abendessen. Sie ließ mich verstehen, wie begeistert sie von dem Projekt „navi4life“ und dem Logbuch „Mein Leben – windschief und glänzend“ war und wie bereichernd sie all meine geteilten Erfahrungen erlebt hatte. „Das müssen ganz viele Menschen, auch in meinem Land mitbekommen. Das musst du über die sozialen Medien teilen. Denn – gerade jetzt im Ramadan – scrolle ich jeden Morgen und jeden Abend eine halbe Stunde auf meinem Handy. Und in alles, was ansprechend ist und mich interessiert, gehe ich dann kurz hinein. Das geht alles ganz schnell. Aber so geht unser Leben – heute. Und wenn wir dann Vertrauen zu jemandem im Netz fassen, dann möchten wir all das lesen, was dieser eine Menschen, dem wir da zufällig im Netz begegnet sind, sagt!“ Ich schaute in die leuchtenden, lebenshungrigen, vertrauenden und hoffnungsvollen Augen eines jungen Menschen. „Wenn du willst, kann ich dir gern bei all dem helfen, denn das muss gut geplant sein.“ Voller Fragen und voller Vertrauen schaute ich meine junge Gesprächspartnerin an. Ich bin gespannt, was aus dieser Begegnung wachsen will.

Nähe und Geschwisterlichkeit

In einer WhatsApp-Nachricht eines Freundes aus Beirut lese ich: „Niemand weiß, wie es weiter geht.  Diese Nacht sind acht Menschen an der Meer-Promenade unserer Stadt  getötet worden. Sie waren als Flüchtlinge gekommen und hatten sich dort sicher gefühlt. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht, und die Spannungen bleiben groß.  Schule ist wohl sehr wichtig für die Kinder.  Vorgestern hörte ich, dass die Schulen heute wieder geöffnet werden sollten, jedoch ist dies keine landesweite  Entscheidung.  Selbst in unserem Viertel, welches doch als 'ziemlich sicher' angesehen wird, sind die Schulen weiterhin geschlossen. Ein Kriegsende, ein Friedens-Abkommen wären die ersten Schritte. Leider muss ich sagen, dass die Kinder sehr unter diesem (und anderen Kriegen) leiden.  Die Ängste, die Unsicherheit, der Stress, Konzentrationsmangel, Internetgebrauch (Kinder sind oft den ganzen Tag nur vor den Screens!), überforderte Eltern und Lehrkräfte... Es ist wirklich eine Katastrophe. Wir sind noch weit vom normalen Leben entfernt.  Darum weiß ich nicht, oder werde mal mit den Schwestern sprechen, welche Prioritäten im Augenblick vorrangig sind.  Ja, Meinolf, ich weiß nicht, was ich noch sagen kann.  Mir fehlen wirklich die Worte, jedoch versuchen wir in jedem Augenblick neu Nähe und Geschwisterlichkeit zu leben.“ Auch an diesem Abend gehe ich mit all diesem Leid zu Gott. Ihm darf ich alles ans Herz legen.

Ein leiser Impuls

Ein langer Tag mit einem gelungen Workshop und einer vielfältigen Länderpräsentation ging zu Ende. Ich spürte nach einem weiten Weg eine echte Müdigkeit in mir und wollte mich schlafen legen, da der nächste Tag wieder viele Straßenkilometer mit sich bringen würde. Doch mein Herz gab mir den leisen Impuls: „Geh nochmals für ein paar Begegnungen zu den Freiwilligen aus aller Welt!“ So setzte ich mich zu ihnen. Ich spürte ihre Freude über mein Kommen. Ein langes Gespräch über unser Mensch-Sein und über Gott entwickelte sich. Als die meisten schon Schlafen gegangen waren, begann eine junge Freiwillige ihre ganze Not ins Wort zu bringen. Sie stand vor einer Entscheidung und wusste nicht, wie sie sich entscheiden sollte. Lange sprachen wir. Von allen Seiten beleuchteten wir die Frage.  Am Ende fragte ich sie, ob sie einen Draht zu Gott habe. Er war ihr verloren gegangen. Aber unser ehrliches Miteinander ließ sie am Ende sagen: „Weißt du, ich habe Gott aus den Augen verloren, aber heute Abend ist mir in unserem Gespräch etwas aufgeleuchtet, was mir als Kind sehr wichtig war. Ich werde wieder neu beginnen, zu beten.“

Geschichte schreiben

Die Spritpreise waren sehr gestiegen. Abends sah ich, dass ich 4 Cent pro Liter sparen konnte und fuhr an eine Tankstelle, wo ich sonst nur selten tanke. Als ich zur Kasse ging, bediente mich eine jüngere Muslima. Sie trug ein Kopftuch. Sie strahlte mich an und sagte: „Ihr Gesicht kommt mir bekannt vor!“ – „Dann machen wir jetzt eine Ratestunde!“ scherzte ich. Dann fragte sie mich, ob ich nicht an der Hauptschule Jahr für Jahr die Schuhkarton-Aktion für Waisenkinder in Bosnien veranstaltet habe. Voller Freude bejahte ich. „Ich fand das damals schon so cool, dass Sie sich einfach für andere Menschen verschenken. Mich hat das sehr beeindruckt. Bitte, machen Sie weiter so. Unsere Zeit braucht solche Menschen!“ Berührt und meinerseits beeindruckt verabschiedete ich mich und sagte: „Wie schön, dass Sie Positives erinnern und erzählen und damit stark machen. So schreiben wir gemeinsam Geschichte!“

geteiltes Leben

Viel Schweres hatten wir miteinander geteilt. Ein Jugendlicher, der lange auf seiner Schule gelernt hatte, war an einer Frontlinie in der Ukraine gefallen. Ein großer Schmerz erfüllte sein Herz. In meiner abendlichen Anbetungszeit hatte ich immer wieder für den jungen Mann, seine Familie und seinen Lehrer gebetet. Und dann erreichte mich im Galopp des Tages eine positive Botschaft: „Euer Projekt navi4life für junge Leute ist wirklich wunderbar. Stell dir vor, eine Schülerin, die letztes Jahr dabei war, hat es nun geschafft, im Lehramtsstipendium Ruhr einen Platz zu ergattern. Und: navi4life war ihr mindchanger. Ist das nicht eine tolle Nachricht?“

Gebet über Grenzen hinweg

Nach längerer Zeit war mir der Impuls gekommen, mich bei einer muslimischen Lehrerin mal wieder zu melden. Sie schrieb mir zurück: „Gestern Abend musste ich wieder an dich denken und habe gehofft, dass du mir bald schreibst, weil ich ein neues Handy habe und einige Nummern abhanden gekommen sind wie deine. So schön, dann heute von dir zu lesen.“ Und dann erzählte sie vom vortägigen Fastenbrechen, zu dem viele Menschen gekommen waren und zu dem sie ein besonderes Gebet geschrieben hatte. Darin hieß es u.a.: „In der jüdischen Tradition beten wir: „Gewähre Frieden, Güte und Segen, Gnade, Barmherzigkeit und Erbarmen über uns und über alle Welt.“ Gott des Bundes, breite deinen Schalom aus – nicht als flüchtigen Waffenstillstand, sondern als heilendes Ganz-Sein, als Versöhnung, die Brücken baut, über die Schluchten der Geschichte.- Im christlichen Zeugnis hören wir die Worte Jesu: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht.“ Schenke uns diesen Frieden, der tiefer reicht als Verträge und Grenzen, der Angst verwandelt in Vertrauen und Feindschaft in die Kraft, neu zu beginnen. - Und im Koran heißt es: „Wer einen Menschen rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet.“ Du Gott, der Barmherzige, erinnere uns daran, dass jedes Leben heilig ist und dass kein Blutvergießen deinen Namen ehrt. – Reich beschenkt schrieb ich ihr ein von Herzen kommendes Danke!

Vor dem Baumarkt

Für eine kurze Besorgung war ich zum Baumarkt gefahren. Als ich aus dem Auto stiegt, lief ein Mann mittleren Alters auf mich zu, schaute mich mit großen Augen an und umarmte mich herzlich. Voller Überraschung erinnerte ich mich an ihn. Wir hatten uns sechs bis sieben Jahre nicht gesehen. Er war vor gut einer Dekade aus dem Nahen Osten gekommen und ich hatte ihm anfangs viel helfen können. Später waren auch seine Frau und seine Kinder nachgereist. Auch ihnen hatten ich bei den ersten Schritten in unserem Land behilflich sein können. Als ich in die Augen dieses Mannes schaute und diese – fast kindliche – Freude in ihnen sah, kamen mir – voller Dankbarkeit - all die kostbaren geteilten Lebenserfahrungen wieder ins Herz. Wir sprachen kurz. „Hast du immer noch die gleiche Telefon-Nummer?“ fragte er mich. Ich bejahte. Dann gingen wir tief beglückt, einander wieder begegnet zu sein, unserer Wege. Eine solche Dankbarkeit hatte ich lange nicht mehr erlebt!

Schneeglöckchen

Ihr Schmerz war immer noch unendlich groß. Vor Wochen hatte sie ihren Ältesten, ihre rechte Hand, durch einen tragischen Unfall verloren. Sie war gläubige Muslima. Ihr Glaube war eine große Stütze. Aber ihr Schmerz und die bohrenden Fragen blieben. Immer wieder hatte ich sie besucht, mit ihren drei verbleibenden Kindern ein wenig gespielt und ihr lange zugehört. Wenn die Kinder ins Spielzimmer gingen, konnte sie ihre Tränen zeigen. Ich weinte mit ihr. Ich hatte ihr und ihren Kindern kleine lustige Figuren und in einer kleinen Vase Schneeglöckchen mitgebracht. Am nächsten Tag erhielt ich eine Botschaft von ihr: „Danke von Herzen für deine Unterstützung und deine Hilfe. Und danke auch für die kleinen weißen Blumen. Ich habe gegoogelt. Sie tragen die Bedeutung eines Neuanfangs in sich. Danke dir von Herzen!“

Hals- und Beinbruch

In einer Mail las ich: Meine Chefin hat sich das Bein gebrochen und musste im Krankenhaus bleiben. Sie fällt mindestens für längere Zeit aus, was eine hohe Arbeitsbelastung für unser Team bedeutet. Gesten habe ich sie besucht. Wir haben allerlei geplaudert und ich habe sie gefragt, ob es ok sei, wenn eine gläubige Freundin einmal unseren Betrieb anschauen würde. „Na klar“, war ihre Antwort. "Woher kennen Sie sie?“ Und schon entwickelte sich ein Gespräch, in dem ich zum ersten Mal sagen konnte, dass ich Christin bin, viele Fragen an die Kirche habe, meinem Glauben aber treu geblieben bin und auf der Suche nach neuen Formen, ihn zu leben, sei. Gebannt hörte sie zu und dann ihre Antwort: „Mir geht es genauso.“ Ich war platt, das hatte ich nicht vermutet, Gott war noch nie ein Thema zwischen uns. Dann fragte sie mich, ob ich ein betender Mensch sei und bat mich – nach meiner bejahenden Antwort - um mein Gebet für sie. „Das bedeutet mir sehr viel!“ fügte sie hinzu. - Wofür nicht auch ein Beinbruch gut sein kann! Mit einer innigen Umarmung haben wir uns verabschiedet und uns zugesichert, füreinander zu beten!

Aktives Zuhören

Seit Jahren hatten wir uns nicht mehr gesehen. Er – ein Mitbruder – ging auf die 90 Jahre zu. Bei einem Kongress trafen wir uns wieder. Die Freude war groß. Eines abends setzten wir uns zusammen. Er fragte nach dem Weg navi4life, mit dem wir junge Leute auf ihrem Weg zu stärken versuchen. Schritt für Schritt ging er innerlich mit und fragte nach: „Und wie kommt ihr an die Schulen? Und wie überzeugt ihr die Lehrerteams? Was macht ihr dann mit den Jugendlichen? Wie reagieren sie?“  Ich staunte über seine innere Wachheit und sein lebendiges Interesse. Ich erzählte von unserer Arbeit an Brennpunkt-Schulen. Als wir uns am Ende des Kongresses verabschiedeten, strahlte er mich an und ließ mich wissen: „Eure Arbeit in den Brennpunkten dieser Zeit habe ich besonders im Herzen. Dafür werde ich beten und leben!“

Mitgehen, wenn der Weg zu schwer ist

Seit einigen Monaten begleiten wir zusammen mit einer befreundeten Familie drei junge afghanische Frauen auf ihrem oft schweren Weg in ein neues Leben. Sie leben sehr zurückgezogen und mussten große Ängste bewältigen. In Deutschland erlebten sie, dass Menschen, denen sie ihr Vertrauen geschenkt hatten, ihre Notlage ausnutzen wollten. Ihre Offenheit für unsere Kultur und ihr Entschluss, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, führte dazu, dass einige Menschen der gleichen Herkunft sie aus ihrer Gemeinschaft ausschlossen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag besuchten wir sie, brachten Geschenke und verbrachten einen friedlichen Nachmittag bei ihnen. Unsere Freundin, die auch aus Afghanistan stammt, half bei der Übersetzung und die drei Frauen konnten schon zaghaft ihre neu erworbenen Deutschkenntnisse anwenden. Im Laufe des Nachmittags wurde die Atmosphäre immer entspannter und ihre Augen strahlten. Am Abend erreichte uns eine Nachricht von ihnen: „Es bedeutet uns sehr viel, dass wir nicht alleine sind. Wir kennen sonst niemanden hier richtig. Wir freuen uns immer, dass ihr alle für uns da seid. Danke für alles!“ Das Vertrauen dieser Frauen nach ihren schlimmen Erfahrungen war für uns ein wertvolles Geschenk. Jesus hatte in diesen Momenten seinen Frieden an uns alle verschenkt. Wir freuen uns, den Weg in die Zukunft mit ihnen weiterzugehen.

eine gemeinsame Tasse Tee

Durch einen tragischen Unfall hatte sie ihren Ältesten verloren. Immer wieder hatte ich sie nach diesem Schock besucht. Nun war sie – aus einem orientalischen Land stammend – mit ihren drei kleineren Kindern allein unterwegs. Meine Mutter hatte Socken für die kleineren Kindern gestrickt. Eines Sonntags brachte ich diese Geschenke vorbei. Wir tranken gemeinsam Tee. Mehr und mehr brach die Verzweiflung aus ihr heraus. Ich hörte zu – viele Stunden. Ich hielt diesen unendlichen Schmerz mit ihr aus. Als ich ging, sagte sie: „Für dich ist das ja auch richtig schwer. Denn so einen geteilten Schmerz kannst du ja auch nicht einfach abschütteln. Aber Danke. Mein Herz ist leichter geworden!“

Eine Scherbe des Himmels

In einer Mail durfte ich lesen: In einer menschlich schwierigen Situation waren wir einander begegnet. Sie hatte in ihrem Leben vieles falsch gemacht und fühlte sich deshalb wie der Abschaum der Gesellschaft. Ausgemachte Termine hatte sie oft kurzfristig abgesagt. Es war nicht leicht, mit ihr umzugehen. Nun kam sie unerwartet vorbei, weil sie in eine andere Region ziehen wollte. Sie ließ mich wissen: „Ich bin gekommen, um mich bei Ihnen persönlich zu bedanken! Sie haben an mich geglaubt und mir immer das Gefühl gegeben, dass ich ein Mensch bin, irgendwie wertvoll, trotz aller Fehler. Und dafür danke ich Ihnen sehr. Ich mag Sie sehr. Alles Gute und nochmal Danke!“ Mir standen Tränen in den Augen, strahlte hier doch – sich auf der Scherbe eines menschlichen Lebens widerspiegelnd - ein Stück Himmel auf.

Vibrierender Zuspruch

Seit über 20 Jahren stelle ich jeden Morgen ein kleines einprägsames Motto in deutscher und englischer Sprache zum Tagesevangelium in die  App go4peace. Ich weiß von vielen jungen Erwachsenen aus ganz Europa, die mit diesem Impuls leben. Vor einigen Tagen erreichte mich eine Botschaft: „Lieber Meinolf! Das Tagesmotto aus der App heute hat mich auf meiner Uhr erreicht, in einem Moment in dem ich mir nicht sicher war, wie ich mir selbst gerade helfen könnte. Ein vibrieren an meinem Handgelenk, schneller Check wer mir geschrieben haben könnte und da erscheint auf meiner Uhr: ‚Bleib bei Jesus!‘  Das war der Zuspruch den ich heute brauchte. Mich nicht von verwirrenden, Angst machenden Gedanken weg tragen lassen. Sondern mich auf Jesus fokussieren. Bei IHM zu bleiben! Und dann zu spüren wie er auch bei mir bleibt. Häufig zieht das Tagesmotto an mir vorbei, ich sehe es kurz auf dem Handy, manchmal spricht es mich an, manchmal weniger. Aber heute war es, als hätte Gott sich gedacht: diesen Zuspruch braucht sie heute! Die Funktion der App, täglich Zuspruch zu erhalten, ist wunderbar!“

Konkrete Projekte

„Darf ich mich zu Ihnen setzen?“ fragte ich drei junge Männer, die mit ihren Kindern gekommen waren, die als Sternsinger unterwegs waren. Mit einem der Männer, gut 35 Jahre alt, entwickelte sich ein lebendiges Gespräch. Er erzählte von seiner Firma, die er selbständig leitete und in der er in der Auto-Branche 25 Mitarbeiter beschäftigte. Sie kamen aus vielen verschiedenen Ländern und hatten oft keine abgeschlossene Berufsausbildung, aber viel praktische Erfahrung. Auch seine Heimat lag weit entfernt von Deutschland in Kasachstan. „Mir ist es wichtig, all denen, die sonst kaum einen Job bekommen, hier eine Chance zu geben!“ ließ er mich wissen. „Und wie gelingt da ein inneres gemeinsames Verstehen?“ fragte ich interessiert nach. „Ich versuche immer herauszufinden, wer was kann und binde die Leute dann in kleine konkrete Projekte in der Firma ein, wo sie einander in ihrer Verschiedenheit kennen und schätzen lernen können! Und das Klima ist richtig gut bei uns, denn die Leute – mit all ihren schweren Erfahrungen – fühlen sich angenommen und akzeptiert!“ Voller Freude sagte ich ihm: „Wirklich ein  Stück lebendige Menschheitsfamilie!“ – „So hab ich das noch nie gesehen, aber so ist es wirklich!“ war seine Antwort.

"haarfein"

Spontan kam mir ins Herz: Geh zum Friseur. Ich rief an und konnte sofort kommen. Seit langem bediente mich einmal wieder der Chef des Geschäftes. Ich kenne ihn seit Jahren. Er ist gläubiger Muslim und stammt aus einem nordafrikanischen Land. Ich erzählte ihm die Erfahrung, die ich beim Tod des Vaters einer jungen Muslima hatte machen dürfen. Fern von ihrer Heimat bot ich ihr Raum, in ihrer neuen Heimat ein Totengedenken für ihren Vater zu halten. Sie sagte zur und fand im Erzählen über ihren Vater in einen tiefen Frieden. Mit größter Aufmerksamkeit hörte mein Friseur mir zu. Ich sah, dass er bewegt war. Dann sagte er zu mir: „Weißt du, in den ersten Tagen des letztjährigen Ramadan ist meine Mutter bei uns zu Hause gestorben!“ Dann begann er, mir Schritt für Schritt ihrer letzten Lebenswochen zu erzählen, wie er leider bei ihrem Tode nicht hatte dabei sein können, aber wie er schon am Abend des Tages in seinem Heimatland war und wie sie als große Familie den Abschied gefeiert hatten. Wir sprachen über Frieden im Leben, über die Ewigkeit und über das Paradies. Das Haare-Schneiden dauerte deutlich länger als gewohnt. Am Ende sagte er mir: „Boh, wie gut das getan hat, einfach alles mal erzählen zu können. Das kann ich nur mit wenigen Menschen teilen.“ – „Ja, wofür Haare nicht gut sein können“, scherzte ich. Tief erfüllt verabschiedeten wir uns.

Erinnerungen wurden zum Gebet.

Es war ein unsagbarer Schmerz. Seit Jahren kannte ich sie und war mit ihnen auf dem Weg. Sie waren als Flüchtlinge unter schwersten Bedingungen in unser Land gekommen. Jetzt war – völlig unerwartet – ihr Vater in ihrer Heimat gestorben. Sie konnten es nicht fassen. Am nächsten Tag besuchte ich sie. Gemeinsam mit Freunden hielten wir mit ihnen das Unfassbare aus, versuchten ein wenig zu trösten. Für den Folgetag schon war in ihrer muslimischen Heimat die Beerdigung angesetzt. Ihr Vater hatte sie über alles geliebt. Jetzt konnte sie nicht zu seiner Beerdigung kommen. Mir kam die Idee, parallel zu seiner Beisetzung bei uns ein Totengedenken zu halten. Sie willigte ein. Ich lud sie ein, auf eine in einem Weihrauchfässchen glühende Kohle einzelne Harzkörner zu werfen und dabei Erinnerungen an ihren Vater zu erzählen. Gern tat sie das. Ich reagierte mit dem, was mein Herz mir sagte und warf ebenfalls ein Weihrauchkörnchen auf die Kohle. All diese Erinnerungen wurden Gebet und stiegen empor. Wir erzählten lange. Raum und Zeit verloren an Bedeutung. Eine Verbundenheit mit dem Himmel war spürbar – lebendige Gegenwart, über alle Grenzen hinweg. Als ich sie nach Hause brachte, sagte sie: „Ich habe einen Vater verloren, ein anderer ist mir hier in Deutschland geschenkt worden.“

Angekommen!

Viele Jahre hatte sie in unserer Stadt gelebt. Dann war sie altersbedingt zu ihrer Tochter gezogen. Seither hatten wir noch losen Kontakt über einen Messenger-Dienst. Immer wieder reagierte sie mit kurzen Worten auf die Tagesmotto und ich spürte, wie sehr sie bestrebt war, einen jeden Tag in ihrem Alter voller Bewusstheit zu leben. Am Dreikönigstag des neuen Jahres war das Motto: „Hab Mut, aufzubrechen!“ Sie schrieb: „Das brauche ich! HEUTE ziehe ich um ins Altenheim!“ Ich versprach ihr mein Gebet. Am Folgetag war unser Motto: „Nur wenn du aufbrichst, findest du das Licht!“ Am Abend dieses Tages schrieb sie: „Angekommen, angenommen!“