In ihrem letzten Schuljahr hatte sie von der Möglichkeit erfahren, ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Jugendzentrum in Sarajevo zu absolvieren. Nachdem sie sich gut informiert hatte und über längere Zeit vorbereitet worden war, machte sie sich auf den Weg. Zu Weihnachten kam sie für ein paar Tage zu ihrer Familie nach Hause. Wir trafen uns zu einem Austausch. Gebannt hörte ich ihren Erfahrungen zu und war erstaunt, wie sehr sie in diesen Monaten gewachsen war. Sie hatte gelernt, sich selbst wahrzunehmen und herauszufinden, was sie zu einem ausgewogenen Leben an Beziehungen und an Zeit für sich allein brauchte. Hatte ich sie zaghaft, wortkarg und eher schüchtern in Erinnerung, erlebte ich sie jetzt reflektiert, wortreich und voller Tatendrang. Als wir uns verabschiedeten sagte sie mir: „Auch wenn’s zu Hause sehr schön ist, freue ich mich jetzt, wieder nach Sarajevo aufzubrechen!“ Wie gut, dass sie nach ihrem Abi den Mut hatte, aufzustehen und loszugehen.