Ich bin glücklich!
Seit einigen Monaten begleiten wir zusammen mit einer befreundeten Familie drei junge afghanische Frauen auf ihrem oft schweren Weg in ein neues Leben. Sie leben sehr zurückgezogen und mussten große Ängste bewältigen. In Deutschland erlebten sie, dass Menschen, denen sie ihr Vertrauen geschenkt hatten, ihre Notlage ausnutzen wollten. Ihre Offenheit für unsere Kultur und ihr Entschluss, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, führte dazu, dass einige Menschen der gleichen Herkunft sie aus ihrer Gemeinschaft ausschlossen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag besuchten wir sie, brachten Geschenke und verbrachten einen friedlichen Nachmittag bei ihnen. Unsere Freundin, die auch aus Afghanistan stammt, half bei der Übersetzung und die drei Frauen konnten schon zaghaft ihre neu erworbenen Deutschkenntnisse anwenden. Im Laufe des Nachmittags wurde die Atmosphäre immer entspannter und ihre Augen strahlten. Am Abend erreichte uns eine Nachricht von ihnen: „Es bedeutet uns sehr viel, dass wir nicht alleine sind. Wir kennen sonst niemanden hier richtig. Wir freuen uns immer, dass ihr alle für uns da seid. Danke für alles!“ Das Vertrauen dieser Frauen nach ihren schlimmen Erfahrungen war für uns ein wertvolles Geschenk. Jesus hatte in diesen Momenten seinen Frieden an uns alle verschenkt. Wir freuen uns, den Weg in die Zukunft mit ihnen weiterzugehen.
In ihrer Familie waren Gott und Kirche kaum vorgekommen. Ihr Vater war schon früh nicht mehr da. Als Kind hatte sie eine Sehnsucht gehabt, wenigstens am Weihnachtsfest zum Gottesdienst zu gehen. Aber ihre Mutter hatte sich nie dazu entscheiden können. Die Flamme der Sehnsucht, mit Gott zu leben, war jedoch in ihrem Herzen nie erloschen. Im Gegenteil. Sie hatte immer auf ihre eigene Art und Weise mit Gott gelebt und sich in vielen Situationen betend an ihn gewandt.
Auch in einer schweren Krankheit war sie innig im Gespräch mit Gott geblieben. Ob ein normales Leben wieder möglich sein würde, war lange nicht klar. Eines Abends spürte sie den Impuls, sich voller Inbrunst an Jesus zu wenden. „Wenn es dich gibt, dich, an den ich immer geglaubt habe, dann hilf mir in meiner schwierigen Situation!“ In den nächsten Tagen spürte sie, dass es ihr wieder besser ging. Ihr Herz war auf einmal voller Vertrauen. Das ließ in ihr den Wunsch, einen engeren Kontakt zu Glaubenden in der Kirche zu suchen, neu aufflammen.
Sie rief mich an. Wir trafen uns nach einem Gottesdienst auf ein Eis. Lange sprachen wir. Wenige Wochen später gab sie all ihren Schmerz und alles Lastende in die Barmherzigkeit Gottes. Sie spürte einen Frieden, wie lange nicht mehr…
Als Jesus auf dieser Erde lebte, drängte es ihn, immer wieder an einsame Orte zu gehen, um allein zu sein. Dort verstand er in der tiefen Begegnung mit seinem himmlischen Vater, auf sein Herz horchend, seinen Weg. Es ist der Weg, ganz DU-selbst zu werden: Horch auf deine innere Stimme!
Jesus zog sich an einen einsamen Ort zurück, um zu beten. (Lk 5,16)
Durch einen tragischen Unfall hatte sie ihren Ältesten verloren. Immer wieder hatte ich sie nach diesem Schock besucht. Nun war sie – aus einem orientalischen Land stammend – mit ihren drei kleineren Kindern allein unterwegs. Meine Mutter hatte Socken für die kleineren Kindern gestrickt. Eines Sonntags brachte ich diese Geschenke vorbei. Wir tranken gemeinsam Tee. Mehr und mehr brach die Verzweiflung aus ihr heraus. Ich hörte zu – viele Stunden. Ich hielt diesen unendlichen Schmerz mit ihr aus. Als ich ging, sagte sie: „Für dich ist das ja auch richtig schwer. Denn so einen geteilten Schmerz kannst du ja auch nicht einfach abschütteln. Aber Danke. Mein Herz ist leichter geworden!“
Seit über 20 Jahren stelle ich jeden Morgen ein kleines einprägsames Motto in deutscher und englischer Sprache zum Tagesevangelium in die App go4peace. Ich weiß von vielen jungen Erwachsenen aus ganz Europa, die mit diesem Impuls leben. Vor einigen Tagen erreichte mich eine Botschaft: „Lieber Meinolf! Das Tagesmotto aus der App heute hat mich auf meiner Uhr erreicht, in einem Moment in dem ich mir nicht sicher war, wie ich mir selbst gerade helfen könnte. Ein vibrieren an meinem Handgelenk, schneller Check wer mir geschrieben haben könnte und da erscheint auf meiner Uhr: ‚Bleib bei Jesus!‘ Das war der Zuspruch den ich heute brauchte. Mich nicht von verwirrenden, Angst machenden Gedanken weg tragen lassen. Sondern mich auf Jesus fokussieren. Bei IHM zu bleiben! Und dann zu spüren wie er auch bei mir bleibt. Häufig zieht das Tagesmotto an mir vorbei, ich sehe es kurz auf dem Handy, manchmal spricht es mich an, manchmal weniger. Aber heute war es, als hätte Gott sich gedacht: diesen Zuspruch braucht sie heute! Die Funktion der App, täglich Zuspruch zu erhalten, ist wunderbar!“