Ich bin glücklich!
Die Spritpreise waren sehr gestiegen. Abends sah ich, dass ich 4 Cent pro Liter sparen konnte und fuhr an eine Tankstelle, wo ich sonst nur selten tanke. Als ich zur Kasse ging, bediente mich eine jüngere Muslima. Sie trug ein Kopftuch. Sie strahlte mich an und sagte: „Ihr Gesicht kommt mir bekannt vor!“ – „Dann machen wir jetzt eine Ratestunde!“ scherzte ich. Dann fragte sie mich, ob ich nicht an der Hauptschule Jahr für Jahr die Schuhkarton-Aktion für Waisenkinder in Bosnien veranstaltet habe. Voller Freude bejahte ich. „Ich fand das damals schon so cool, dass Sie sich einfach für andere Menschen verschenken. Mich hat das sehr beeindruckt. Bitte, machen Sie weiter so. Unsere Zeit braucht solche Menschen!“ Berührt und meinerseits beeindruckt verabschiedete ich mich und sagte: „Wie schön, dass Sie Positives erinnern und erzählen und damit stark machen. So schreiben wir gemeinsam Geschichte!“
Viel Schweres hatten wir miteinander geteilt. Ein Jugendlicher, der lange auf seiner Schule gelernt hatte, war an einer Frontlinie in der Ukraine gefallen. Ein großer Schmerz erfüllte sein Herz. In meiner abendlichen Anbetungszeit hatte ich immer wieder für den jungen Mann, seine Familie und seinen Lehrer gebetet. Und dann erreichte mich im Galopp des Tages eine positive Botschaft: „Euer Projekt navi4life für junge Leute ist wirklich wunderbar. Stell dir vor, eine Schülerin, die letztes Jahr dabei war, hat es nun geschafft, im Lehramtsstipendium Ruhr einen Platz zu ergattern. Und: navi4life war ihr mindchanger. Ist das nicht eine tolle Nachricht?“
Nach längerer Zeit war mir der Impuls gekommen, mich bei einer muslimischen Lehrerin mal wieder zu melden. Sie schrieb mir zurück: „Gestern Abend musste ich wieder an dich denken und habe gehofft, dass du mir bald schreibst, weil ich ein neues Handy habe und einige Nummern abhanden gekommen sind wie deine. So schön, dann heute von dir zu lesen.“ Und dann erzählte sie vom vortägigen Fastenbrechen, zu dem viele Menschen gekommen waren und zu dem sie ein besonderes Gebet geschrieben hatte. Darin hieß es u.a.: „In der jüdischen Tradition beten wir: „Gewähre Frieden, Güte und Segen, Gnade, Barmherzigkeit und Erbarmen über uns und über alle Welt.“ Gott des Bundes, breite deinen Schalom aus – nicht als flüchtigen Waffenstillstand, sondern als heilendes Ganz-Sein, als Versöhnung, die Brücken baut, über die Schluchten der Geschichte.- Im christlichen Zeugnis hören wir die Worte Jesu: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht.“ Schenke uns diesen Frieden, der tiefer reicht als Verträge und Grenzen, der Angst verwandelt in Vertrauen und Feindschaft in die Kraft, neu zu beginnen. - Und im Koran heißt es: „Wer einen Menschen rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet.“ Du Gott, der Barmherzige, erinnere uns daran, dass jedes Leben heilig ist und dass kein Blutvergießen deinen Namen ehrt. – Reich beschenkt schrieb ich ihr ein von Herzen kommendes Danke!
Sie war auf der Zielgeraden zum Abitur angekommen. Was sie danach machen wollte: „Keine Ahnung!“ Aber irgendeine Entscheidung musste ja her. Sie nahm sich Zeit, überlegte, wohin ihr Weg gehen könnte. Auf keinen Fall Lehrerin, denn das waren alle in ihrer Familie. Aber dann kam die Frage: „Warum eigentlich nicht?“ Sie wollte doch immer Menschen dabei unterstützen, ihren eigenen Weg gehen zu lernen und gerade diejenigen, die es schwerer hatten als andere.
Sie führte viele Gespräche, fragte nach Einschätzungen und hielt es aus, dass es immer noch nicht klarer wurde. Im Gespräch mit ihrer besten Freundin kam unerwartet die Frage: „Hast du schon mal an Förderlehrerin gedacht?“ Sie wusste gar nicht genau, worum es da ging. Als sie wieder zu Hause war, recherchierte sie über eine Stunde im Internet. Und auf einmal war da ein Gleichklang zwischen dem, was sie über das Berufsprofil las und was sie gern in ihrem Leben machen wollte. Sie lief zu ihrer Familie und ließ sie wissen: „Ich hab’s, ich weiß jetzt, was ich machen werde!“
Auch Petrus hat eine ähnliche Erfahrung gemacht. Mit seinen Fischerkollegen hat er die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen. Als Jesus ihn am nächsten Morgen bittet, die Netze nochmals auszuwerfen, tut Petrus, was Jesus ihm aufträgt, und fängt eine riesige Menge an Fischen.
So sind wir in diesem Monat eingeladen, das zu tun, was jeweils dran ist. Oft gibt dir das Leben dann etwas, womit du nicht gerechnet hast. Also: Tu, was jetzt zu tun ist.
Auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen! (Lk 5,5b)