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Ich bin glücklich!

Seit gut einem Jahrzehnt war er mit seiner Frau in unserem Land. Zu Anfang hatte ich den beiden sehr helfen können. Mittlerweile waren sie gut integriert und lebten vorbildlich mit ihren kleinen Kindern. Aber nicht alle wollten ihnen gut. So hatten sie immer wieder Böswilligkeiten auszuhalten, gegen die sie sich zum Teil anwaltlich wehren mussten. So erreichte mich die Frage, ob ich ein wenig Zeit habe. Zwei Stunden später saßen wir zusammen. Bei einem Tee hörte ich lange zu und konnte Mut machen. Abends erreichte mich eine Botschaft: „Ich bin dir sehr dankbar für die schöne Zeit und den leckeren Tee. Immer,  wenn wir uns sehen, atmet meine Seele auf. Ich spüre das körperlich und psychisch. Ich bin Gott dankbar für alles, was ich habe. Gute Freunde, meine Familie und die schönen Momente mit Menschen, die wirklich lieben. Danke, dass du bei jedem Gebet an uns denkst. Das schenkt mir viel Kraft, gerade in diesen harten Zeiten. Ich bin mir sehr sicher, dass Gott uns auch jetzt behütet und weiter bringt.“

Seit dem tragischen Tod eines Teenies, der mit seinem Fahrrad unter einen Bus gekommen war, hatten sich die Verantwortlichen des Unternehmens noch nicht bei der Mutter des verstorbenen Jungen gemeldet, die als Flüchtling in unser Land gekommen war. Nun lebet sie allein mit ihren verbliebenen Kindern. Unter dem Schweigen litt die junge Mutter sehr. So hatte ich beide Seiten zu einem Gespräch zu mir eingeladen, denn ich spürte, wie nötig es war, im geschützten Raum zu reden und einander – in allem Schmerz – ehrlich zu begegnen. In einer anfänglichen Atmosphäre großer Sprachlosigkeit konnte ich – über Religionsgrenzen hinweg Brücken bauen. Lange sprachen wir miteinander. Am nächsten Tag erreichte mich die Botschaft der Mutter: „Vielen lieben Dank! Du hast mir und meinem Herzen ehrlich sehr geholfen!“ Darunter zwei verwundete Herzen.

Der Schmerz über den tödlichen Unfall ihres Ältesten lastete noch schwer auf ihr. Auch das Zuckerfest am Ende des Ramadan, auf das sie sich immer so gefreut hatte, waren dunkle Stunden für sie. Dann hatten sie die Freunde ihres verstorbenen Kindes besucht. Es waren alles liebevolle Gesten. Doch für sie als Mutter schmerzte die Wunde, das ihr Sohn nie mehr nach Hause kommen würde, um so mehr. Ich saß bei ihr mit einem weiteren Freund aus Syrien. Die Wucht der Verzweiflung, die wir erlebten, hatte ich so nicht erwartet. Ich blieb lange und hielt alles mit aus. Als ich ging, sagte sie mir: „Viele Menschen haben große Worte gemacht und kommen nicht mehr. Ich bin viel allein und irgendwie will ich es auch, denn ich traue mich kaum noch nach draußen. Aber du vergisst mich nicht. Du kommst einfach und bist dann einfach da! Obwohl wir doch aus verschiedenen Religionen sind. Weißt du, was ich verstanden habe? Letztlich, wenn’s schwer wird, zählt nur, ob jemand da ist.

Frieden – dieses kostbare Gut, wie können wir Jugendlichen Wege eröffnen, um selber zu Friedensstifter*innen zu werden? – Mit dieser Frage saßen wir in einem kleinen Team einer Gesamtschule zusammen. Alle 1500 Schüler*innen würden einen kleinen Friedensmahner aus Holz bekommen, aber an welchen konkreten Schritt könnte sie diese kleine Holzstehle immer neu erinnern. Ich erzählte, dass ich Menschen immer wieder verspräche, in schweren und herausfordernden Lebenssituationen an sie zu denken und für sie zu beten. „Ich gebe diesen Menschen dann konkret einen Platz in meinem Herzen und begleite und trage sie dort mit. Oft, wenn ich abends noch in unserer Kirche für sie gebetet habe, stecke ich eine Kerze für sie an und schicke ihnen ein Foto davon. Ich spüre, dass ich in Frieden mit ihnen bin, wenn sie in meinem Herzen sind.“ Ganz aufmerksam hörte eine muslimische junge Sozialarbeiterin zu. „Ich bin ganz gerührt“, ließ sie mich wissen, „diesen Weg, anderen in meinem Herzen einen Ort anzubieten, habe ich noch nie bedacht. Aber ich freue mich, dass jetzt mal ausprobieren zu können. Wenn wir uns das nächste Mal sehen, erzähle ich dir von meinen Erfahrungen.“