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Ich bin glücklich!

In einer kleinen Arbeitsgruppe waren Spannungen aufgetreten. Rollen waren nicht geklärt und so regierte das Prinzip: Der Stärkere setzt sich durch. Eine Sitzung stand an, in der vieles geklärt werden sollte. Zu später Stunde machte ich mich noch auf den Weg, um mit einem der Mitarbeitenden zu sprechen und über das Ergebnis informiert zu werden. In seinem Herzen spürte ich – bei allem Verständnis für die Situation – keinen Frieden. Er schien sich zurückziehen zu wollen. Geduldig hörte ich ihm zu, fragte nach und spiegelte ihm seine eigene Not. Als wir uns verabschiedeten, ließ er mich wissen: „Danke, dass du noch gekommen bist und dir so viel Zeit genommen hast. Unser Gespräch hat mich sehr bestärkt, nochmals die offenen Fragen und alles Ungeklärte mit Entschiedenheit und Klarheit zu benennen und anzugehen.“

Er war noch jung, spürte aber schon einen tiefen Hunger nach Leben und nach Gott. So hatte er in einer Begegnung mit jungen Leuten beim Projekt „navi4life“ mitgewirkt und hatte seine Rolle hervorragend gespielt und persönliche Erfahrungen erzählt. Wenige Tage später begegnete ich ihm in seinem Gymnasium beim gleichen Projekt. Bei einem Aufstellungsspiel war ihm ein Mitschüler aufgefallen, dem niemand geholfen hatte, seine Fragen nach Gott ins Gespräch zu bringen. „Aber ich habe seine Offenheit und seinen ehrlichen Hunger gespürt!“ ließ mich der junge Mann wissen. Am darauffolgenden Sonntag fand ein Zeltgottesdienst für junge Leute statt. Ich lud den jungen Mann ein. Er kam und erzählte: „Gestern Abend kam mir der Impuls, zum Zeltgottesdienst zu kommen, um für meinen Mitschüler auf seiner Lebenssuche zu beten!“ Als wir Fürbitten formulierten und dazu kleine Weihrauchkörner auf eine Kohle fallen ließen, spürte ich, wie innig dieser junge Mann für seinen Mitschüler betete. Ich war tief gerührt.

Dreißig Schüler*innen hätten kommen sollen, aber es kamen nur fünf. Ein kleiner Unfall, eine lädierte Straßenbahn, fehlerhafte Kommunikation innerhalb der Schule, unerwartete Klausuren, es gab vieles, was zusammen kam. „Entscheide dich, glücklich zu sein!“ war das Modul, das wir den Jugendlichen angeboten hatten. Als ich aufgrund der geringen Zahl einen Anflug von Enttäuschung in meinem Herzen verspürte, entschied ich mich, mit ganzer Kraft, Aufmerksamkeit und Liebe für die fünf Jugendlichen da zu sein. Es wurde ein hervorragender Nachmittag und abends durften wir in der Auswertung lesen: „War super! Macht bitte weiter!“ – „Der heutige Tag war sehr hilfreich für mich. Vor allem der ehrliche Austausch untereinander hat mir sehr gefallen.“ – „Vor allem die Frage: ‚Wieviel Gewissheit brauche ich, um mich zu entscheiden?‘ geht mir sehr nach.“ Zu später Stunde las ich noch in einer Botschaft: „Das Angebot heute war toll und inspirierend. Mein restlicher Tag bestand darin, mir nochmals Gedanken über all die Gesprächsimpulse zu machen und meine Antwort darauf zu finden. Ich bin sehr dankbar für dieses Angebot!“

Ostermontag – der Emmaus-Tag. Die fünfte Predigt. Wie sollte ich das Ostergeheimnis wieder neu „durchbuchstabieren“? Mir war in all den biblischen Ostererzählungen aufgefallen, wie „ergriffen“ die  Freundinnen und Freunde Jesu waren, wenn sie entdeckten, dass Jesus weiter lebt, allerdings auf eine ganz neue Weise. Drei Worte kamen mir in den Sinn: greifen – begreifen – ergreifen, bzw. ergriffen sein. Der Grundgedanke meiner Predigt: Wir lernen schon als Kinder, nach etwas zu greifen und sind, je älter wir werden, bestrebt, immer mehr zu begreifen. Und jetzt stehen wir vor dem Geheimnis der Auferstehung, die weder zu greifen noch zu begreifen ist. Aber es gibt da jemanden, der uns – in aller Freiheit - ergreifen will. Davon sprudeln die Oster-Erzählungen und sie möchten sich heute genauso ereignen, wie zur Zeit Jesu. Ich spürte, wie dieser Dreischritt für viele eine Hilfe schien. Große Aufmerksamkeit war zu spüren. Mit zwei Erfahrungen, die ich mit jungen muslimischen Weggefährten gemacht hatte, verdeutlichte ich das Gesagte. Am Ende des Gottesdienstes kam eine ältere Frau mit zwei Gehhilfen zu mir und sagte: „Ich bin echt gerührt. Sie haben Charisma!“ Schmunzelnd schaute ich sie an und sagte: „Vielleicht sind sie ja ergriffen, dann ist Emmaus nicht mehr weit!“ Lachend verabschiedeten wir uns.