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Ich bin glücklich!

Dankbaren Herzens hatten wir in einem schlichten und doch feierlichen Gottesdienst auf 40 Jahre Priestertum zurückschauen können. Menschen unterschiedlichster Couleur waren gekommen, Glaubende und Nicht-Glaubende. Es wurde ein Fest, an dem eine unsichtbare Gegenwart viele Herzen berührte und beim anschließenden Imbiss in Begegnung brachte. Zwei Verantwortungsträger aus dem schulischen Bereich waren gekommen. Am folgenden Tag traf ich den einen in seiner Schule. Im Trubel des Schulalltags standen wir eine knappe Minute auf einem der Flure zusammen. Unsere Augen begegneten sich. „Danke, dass du gestern mit dabei warst“, ließ ich mein Gegenüber noch einmal verstehen. „Das hat mir viel bedeutet!“ Ein paar Augenblicke inneren Schweigens folgten und dann durfte ich hören: „Der Tag gestern war ein total bewegender und bedeutsamer Tag für mich. Sehr, sehr bedeutsam. Ich habe Kirche erlebt, wie Christus sie vorgelebt hat, weltoffen - barmherzig - ⁠fürsorglich - ⁠ehrlich - ⁠zugewandt.“ Dann gingen wir auseinander.

Wir hatten uns mit navi4life auf den Weg in den Kanton Aargau in der Schweiz gemacht und dort mit 8 Mitarbeitenden aus der Jugendarbeit einen sehr intensiven Workshop erleben dürfen. Firm4life war unser Thema, jungen Leuten als Kirche zu helfen, stark für ihr eigenes Leben zu werden. Eine große Offenheit hatten wir spüren dürfen und am Ende der gemeinsamen Zeit eine sehr hoffnungsvolle Stille. In der Frühe des nächsten Tages machten wir uns wieder auf den Heimweg. Abends durften wir in einer Voice-Mail hören: „Das Team, hat sich heute morgen gleich hingesetzt, das Übergangsjahr völlig neu aufgestellt und auch für die Firmung neue Module eingearbeitet. Ich habe sie stundenlang in unserem Sitzungszimmer gesehen mit euren Büchern und der firm4life-Mappe; sie waren am werken und haben neue Flyer gestaltet. Also euer Kommen und der so lebendige Workshop haben wirklich extrem etwas ausgelöst. Vielen Dank, dass ihr eigens so weit gekommen seid!“

Eher zufällig trafen wir uns nach einem Gottesdienst. Sie waren ein Paar. Aufmerksam hatte die Frau meiner Predigt zugehört. Sie fragte nach meiner Arbeit. Ich begann zu erzählen, dass ich mich dafür einsetze, junge Menschen firm für ihr Leben werden zu lassen – und das auch in Brennpunkt-Schulen. Sie sollten eine Chance bekommen, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen. Ich erzählte von einer Klasse, in der ich mit 95 % muslimischen Jugendlichen gearbeitet hatte. Die Frau ließ mich verstehen, dass sie auch Muslima war. „Ich war bei der Predigt, als du von Gott gesprochen hast, so tief berührt. Mein Herz wurde ganz warm!“ Dann schwieg sie, schaute mich mit großen Augen an. Augenblicke der Stille folgten. „Es hat so gut getan“, durfte ich noch hören, dann gingen die beiden. Ein Wort von Isaac dem Syrer kam mir in den Sinn: „Es gibt nur eine Sünde, kein Gespür für den Auferstandenen zu haben!“

Zu späteren Jahren hatten sie sich entschieden, ihren gemeinsamen Lebensweg unter den Segen Gottes zu stellen und kirchlich zu heiraten. Aus ihrem Freundeskreis hatten sie eine stattliche Zahl sehr talentierter Musiker eingeladen. Beim Blick in die Kirche spürte ich, dass viele mit Gott und Kirche wenig Berührung zu haben schienen. Mir war es ein Anliegen, so gut es ging, alle unter dem Horizont der Feier ankommen zu lassen. So thematisierte ich kurz die Buntheit und Unterschiedlichkeit unserer Lebensüberzeugungen und bot allen als Namen Gottes „die große Gegenwart“ an, hatte sich Gott doch dem Mose als der „Ich-bin-da!“ geoffenbart. Plötzlich war eine aufnahmebereite stille Atmosphäre zu spüren. Die Trauung mit wunderbaren musikalischen Darbietungen wurde zu einem echten Fest der Herzen. Nach der Liturgie kam ich mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch: „Unsere Herzen sind so sehr angerührt“, ließen sie mich wissen, „denn als Sie von der ‚großen Gegenwart‘ sprachen, waren wir alle mit drin in diesem Geheimnis.  Wir haben Nähe gespürt. Wir sind so dankbar.“