Ich bin glücklich!
Nach einem anstrengenden Tag war ich gerade dabei, die Kirche abzuschließen. Während ich die letzten Besucher verabschiedete, standen auf einmal zwei Teenies mit einer Dönertasche vor mir. „Dürfen wir auch mal rein?“ fragte der Ältere. „Natürlich wenn wir aufgegessen haben.“ fügte er hinzu. Mir kam das Tagesmotto: „Wie kann ich mich heute schenken?“ Also sagte ich zu: „Na klar, für euch beiden gibt’s jetzt ne Spezialführung!“- „Cool, wir besuchen hier unsere Oma, und das ist so langweilig. Da haben wir gedacht, wir gehen einfach mal hier herum. Und dann hat uns die riesige Kirche interessiert!“ Sie strahlten mich an und kamen mit in die Kirche. Die Größe des Raumes faszinierte sie. Ergriffen und angerührt standen sie vor mir. Ich begann von mir zu erzählen und ich spürte, wie ich unter ihrem Horizont ankam. Als ich die Worte „Priester“ und „Messe“ fallen ließ, fragte mich einer: „Was, finden hier Versteigerungen statt?“ Sofort war mir klar, dass sie mit Kirche wenige Berührung, aber viele Fragen im Herzen hatten, auf die ich mit Details des Bauwerkes antwortete. Es wurde eine gemeinsame spannende Stunde, die wir in der Kirche verbrachten. Als ich die beiden verabschiedete, sagte der Ältere: „Boh, das war so cool. Ich war noch nie in einer Kirche. Und dass du uns alles so super erklärt hast, war total spannend, also: DANKE!“ Dann ging’s zurück zu Oma.
Nach langer Zeit ergab sich die Gelegenheit zu einem abendlichen Spaziergang. Sie spürte, dass das Leben sie drängte, weiterzugehen. Vor Wochen hatte sie einen großen Karton in Händen gehalten und den inneren Impuls verspürt: „Wirf ihn nicht weg! Du wirst ihn bald gebrauchen können.“ Wenig später hatte sie von einem Umzug geträumt. An ihrer Arbeitsstelle, an der sie viel gelernt hatte, zeigte sich keine Möglichkeit zur beruflichen Weiterentwicklung. Sie war bewegt von dem Gedanken, in eine größere Stadt zu ziehen. So fand sie – scheinbar gegen alle Vernunft - den Mut zu kündigen, ohne eine neue Arbeitsstelle zu haben. Das bedeutete für sie, für eine ungewisse Zeit zwischen zwei Welten zu leben, ihrer alten und der neuen Stadt, in der sie noch nichts hatte.
„Ich hab gemerkt, ich muss das machen,“ ließ sie mich wissen, „auch wenn mir alle davon abgeraten haben. Ich will mich doch weiter entwickeln, will was Großes aus meinem Leben machen. Mein Herz hat mir Mut gemacht, diesen Schritt zu wagen! Als ich das Kündigungsschreiben abgeschickt hatte, war mir schon ein wenig mulmig zu Mute, aber in der Tiefe meiner Seele war mir klar, dass es richtig ist!“ Ich staunte, wie sehr meine junge Gesprächspartnerin an ihrem eigenen Herzen dran war, ihm traute und sich mutig gewagt hatte. Mittlerweile ist sie seit einem halben Jahr in der neuen Stadt. Sie hat eine gute Arbeitsstelle gefunden und sagt von sich: „Ich bin angekommen!“
Oft spüren wir eine tiefe innere Unruhe in unseren Herzen, die uns mahnt, nicht einfach so weiter zu machen wie bisher. In diesem Drängen ist Gott am Werk. Er lädt uns ein, dieser Unruhe zu trauen und uns von ihr bewegen zu lassen. Und wenn wir uns dann neu aufmachen und Neuland unter die Füße nehmen, gilt uns die Zusage Jesu, alle Wege mit uns zu gehen. Das kann Gelassenheit und Mut in uns wachsen lassen. Sei dir gewiss, das Leben meint es gut mit dir. Also: Hab Mut!
° Bist du bereit, der Unruhe deines Herzens zu trauen und zu folgen?
Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,20)
Das Leben hatte uns zusammen geführt und vom ersten Augenblick unseres Gespräches war ein tiefes Vertrauen da. Er hatte sich schon in jungen Jahren in vielen Verstrickungen wieder gefunden; Abhängigkeiten hatten ihm das Leben schwer gemacht. Auch mit dem Gericht war er in Berührung gekommen und hatte lange Jahre in großer Unsicherheit leben müssen. Jetzt wollte er diese Lebensweise hinter sich lassen. In einem besonders dunklen Augenblick hatte er verstanden, entweder du bist jetzt auf dem Pfad des Todes und kommst aus allem nicht mehr heraus – der Tod klopft wirklich an bei dir - oder du wendest dich an Gott. So war ihm in tiefster Not das Gebet: „Jesus, gib mir eine zweite Chance“ über die Lippen gekommen. Er hatte es mit der ganzen Wucht seiner Existenz gebetet. Er hatte gespürt, dass er nicht allein war, sondern dass Gott ihn erhörte. Diese Erfahrung hatte neue Kräfte und neue Perspektiven in ihm frei gesetzt, die er nicht für möglich gehalten hatte. Sein Vertrauen hatte das Herz Gottes angerührt und bewegt.
In einem Gespräch durfte ich hören: „ Im Urlaub auf einer kleinen Insel hatte ich mich sehr auf den Vorabendgottesdienst am Samstag gefreut. Ich war schon früh in der Kirche, langsam wurde mir klar, es würde den Gottesdienst nicht geben. Eine Familie mit zwei halbwüchsigen Kindern kam ebenfalls in die Kirche. Sie fragten, ob wir ein Lied singen sollten, als auch sie merkten, dass kein Gottesdienst sein würde. Gern willigte ich ein. Dann bot ich an, die Tagestexte aus einer App zu lesen, was wiederum diese Familie gerne annahm. Weitere Menschen kamen. Auch sie luden wir ein, ihr Lieblingslied zu sagen, so dass wir’s gemeinsam singen konnten. Nach dem Evangelium tauschten wir uns über die Texte aus. Auch Fürbitten kamen uns aus dem Herzen und am Ende gab’s noch einen Segen. Es war eine tiefe Freude in uns, über diese spontane, Stück für Stück gewachsene gemeinsam gefeierte Andacht. Wir hatten am Ende das Gefühl, dass wir alle nicht ‚hungrig‘ nach Hause gegangen sind, vielmehr hatte uns Gott genährt - mit Seinem Wort, im Gebet, in der Gemeinschaft miteinander , in der ER spürbar unter uns war. Es war ein Geschenk und neu die Erfahrung: Gott sorgt für uns. Lange noch standen wir miteinander in der Kirche und in den letzten Tagen erreichte mich sogar noch eine Mail der Familie, die zuerst angekommen war. Sie wollten nur noch einmal DANKE sagen.