Ich bin glücklich!
Du bist einmalig!
Mit einigen Freunden hatte ich mich auf den Weg in die Berge gemacht. Wir waren junge Studenten und wollten gern eine Nacht in Zelten in den Bergen verbringen. So stiegen wir am Nachmittag auf und schlugen unsere Zelte in einer Steinwüste auf. Nachts wurde es bitterkalt. An Schlafen war für mich nicht zu denken. So schlich ich mich mit meinem Schlafsack aus dem Zelt und legte mich auf einen großen Stein. Es war dunkel und doch schien alles erleuchtet. Über mir tat sich der unendliche Sternenhimmel auf – klar und hell. So viele Sterne in so einer Deutlichkeit hatte ich noch nie gesehen. Sie schienen zum Greifen nah.
Plötzlich überkam mich ein tiefes Gefühl des Geborgen-Seins. Ich spürte mein Leben, meinen Atem, mein Dasein. Ich hatte den Eindruck: Du bist nicht allein. Ich fühlte mich von einem tiefen Urgrund getragen, ja geliebt. Ich spürte, es ist gut, dass du bist, es ist gut, dass du da bist und es ist gut, so wie du bist. Mir liefen Tränen der Rührung. Ich fühlte mich vom Leben angeschaut, von Gott umarmt. Eine echte Seinserfahrung.
Der Zöllner Zachäus, der von seinen Zeitgenossen aufgrund seines Berufes verachtet wurde, hatte von Jesus gehört. Ihn wollte er gerne sehen. Da Zachäus klein an Gestalt war, stieg er auf einen Baum. Und dann sah er, wie Jesus zu ihm liebevoll hinaufschaute. Dieser Blick traf ihn. Er hörte seinen Namen: „Zachäus!“ Zum ersten Mal nahm er sich in seiner Einmaligkeit wahr. Und dann hörte er den unerwarteten Wunsch Jesu: „Ich will heute bei dir einkehren.“ Das lockte Zachäus aus seiner Reserve und er begann sich zu verschenken. Welche Kräfte und Dynamiken werden doch in uns freigesetzt, wenn wir entdecken dürfen: Du bist einmalig!
° In welchem Augenblick hast du dich vom Leben umarmt gefühlt?
Jesus schaute hinauf. (vgl. Lk 19,5)