Ich bin glücklich!
Ein Überraschungstag für zwei Schulklassen war angesagt. Die meisten der Achtklässler waren muslimischen Glaubens. Den Lehrenden war es nach einem negativen Vorfall während einer Klassenfahrt wichtig, den Schülern Wege zu eröffnen, sich mit kultureller und religiöser Vielfalt auseinanderzusetzen. So hatte ich sie zu einer Kirchenführung eingeladen. Die erste Klasse kam an. Ich empfing sie sehr herzlich vor der Kirche. Anspannung war in den Augen der Lehrer*innen zu spüren. Ich hatte mir vorgenommen, viele persönliche Erfahrungen, die ich mit muslimischen Gläubigen gemacht hatte, zu teilen. Innerhalb weniger Augenblicke, entstand so ein Klima hoher Aufmerksamkeit und tiefen Vertrauens. Die Jugendlichen begannen Fragen zu stellen, nach dem christlichen Glauben und nach verschiedenen Gegenständen in der Kirche. Eine unerwartete Freude und Leichtigkeit wuchs. Zum Abschluss lud ich sie in ein großes Zelt ein, das in unserer Kirche steht und las das Gebet einer Muslima vor, das sie mir anvertraut hatte. Heilige Augenblicke. Ich lud alle Anwesenden ein, noch ein Wort auszusprechen, das sie jetzt im Herzen spürten. Eine Lehrerin begann: „Erleichterung“ – die Jugendlichen nahmen den Ball auf: „Dankbarkeit“ – „Erstaunen“ – „Freude“… Dann verabschiedeten wir uns. Nach wenigen Augenblicken kam drei Mädchen nochmals zurück in die Kirche. Unter ihren Kopftüchern strahlten mich sechs Augen an: „Wir wollten dir nochmals DANKE sagen, es war so schön mit dir!“
Voller Zweifel und Unsicherheit hatte sie sich entschieden, in einem unserer Friedenscamps mit dabei zu sein. Ihr einziger Halt war ihr älterer Bruder, der auch mitfuhr. Sonst kannte sie niemanden. Der Weg führte sie in das Land der Herkunft ihrer Eltern nach Osteuropa. Sie war mit starken Selbstzweifeln unterwegs. Stimmungsmäßig bedeutete das für sie viele Ups and Downs.
Da sie neben der Landessprache auch Englisch und Deutsch fließend sprach, wurde sie immer wieder um Übersetzung gebeten. Das gab ihr Auftrieb. Sie fand Zugang zu vielen der Jugendlichen, die aus verschiedenen Ländern teilnahmen. Mehr und mehr erfuhr sie sich als wertvoll und von den anderen geliebt. Und dann kam der Abschluss-Abend mit einem bunten Programm auf dem Marktplatz der Stadt. Sie erlebte eine ungekannte Freude und Leichtigkeit, die ihr Herz tief erfüllte. Sie sang, strahlte und tanzte. Die Freude in ihrem Blick, der den meinen traf, werde ich nie vergessen. Später ließ sie mich wissen: In diesen Augenblicken hab‘ ich mich zutiefst geliebt gefühlt, irgendwie von Gott umarmt. Ich war so glücklich wie lange nicht mehr.
Eine ähnliche Erfahrung ist im ersten Johannesbrief aufgeschrieben. Die ersten Christen dieser kleinen Gemeinde hatten entdeckt, dass sie von Gott geliebt sind, ehe sie es wussten. Und so brach sich die Überzeugung Bahn, einander zu lieben, weil Gott sie zuerst geliebt hat. In dieser Liebe finden wir zu uns selbst. Jeder und jede wird, wie er / sie ist. So gibt dir das Leben, wenn du es mit aller Entschiedenheit lebst, die Erkenntnis: Ich bin geliebt!
° Wann hast du dich schon einmal zutiefst geliebt gefühlt?
Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. 1 Joh 4,19
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„Kannst du einen Friedensimpuls für unser Lehrerkollegium mit 180 Personen halten?“ war ich gefragt worden. Viel Vertrauen war in den vergangenen Monaten zu vielen Mitarbeiter*innen einer weiterführenden Schule gewachsen. So sagte ich gerne zu. Aufgrund der hohen Hitze wurde die Konferenz kurzfristig als digitale Konferenz angesetzt. So saß ich mit dem Leitungsteam der Schule in einem Raum vor einem Laptop. Als ich meine PowerPoint-Folien durchklickte, konnte ich kein Gesicht der Zuhörenden sehen, nur meine Folien. So konnte ich keine einzige Reaktion wahrnehmen. Ich spürte, dass allein mein Vertrauen angefragt war. Ich erzählte ins Dunkel hinein, sehr persönlich und ermutigend. Als ich endete blieb ein Gefühl der Unsicherheit. Am Folgetag durfte ich in einer Voicemail hören: „Danke auch für deinen gestrigen Gastbeitrag in unserer Gesamtkonferenz. Das hat unter uns Lehrern für sehr viel Interesse und Begeisterung gesorgt. Wir freuen uns sehr auf unsere nächste Begegnung.“