Ich bin glücklich!
Und wieder neu boten wir 12 jungen Männern und Frauen die Impuls-Vielfalt des navi4life-Projektes an. Während einer Gruppenarbeit der Jugendlichen ergab sich ein Gespräch mit einem älteren Fokolar. Aufgewachsen war er in der ehemaligen DDR. Da er katholisch war, hatte er viele Nachteile erleiden müssen, auch das Abitur war ihm verwehrt geblieben. Dann hatte er sich entschieden, mit einer Lehre zu beginnen. Zwischen Schule und Ausbildung nahm er an einem Treffen vieler junger Menschen teil, die sich entschieden hatten, ganz auf die Karte des Evangeliums zu setzen. „Bei diesem Treffen ist mir etwas klar geworden, was mir alle Angst genommen und mich für mein ganzes Leben geprägt hat. Es war die Entdeckung: Ich kann immer lieben. Allein dadurch bekommt mein Leben einen Sinn!“ Ich schaute in die leuchtenden Augen eines alt gewordenen Mannes, aus dem eine tiefe Güte strahlte.
Über lange Zeit hatten wir nichts mehr voneinander gehört. Zu seinem Geburtstag hatte ich ihm, einem Mitbruder, einen kurzen Gruß zukommen lassen, der ihn sehr erfreut hatte. Er schrieb: „Ja, ich bin gut in meiner neuen Stelle angekommen. Irgendwie profitiere ich von der langen Corona-Krise, die kirchlich in meiner neuen Pfarrei auch über die eigentliche Pandemiezeit hinausging. Dadurch dass alles ‚runtergefahren‘ wurde, entstand so was wie ein "Brachland", dass mittlerweile offen ist zur Gestaltung und neuem Wachstum. Und alle wissen, dass es nicht mehr so geht wie vor Corona. Das macht viel aus, nicht mit dem berühmten Satz konfrontiert zu werden: ‚Das haben wir aber immer so gemacht!‘. Alle Erfahrungen meiner Laufbahn haben jetzt irgendwie nochmal einen Ort gefunden, an dem ich mich gut einbringen kann. Das ist ein beeindruckendes und berührendes Erleben.“
Lange hatte er im Krankenhaus gelegen. Immer wieder war seine Entlassung heraus gezögert worden. Es hatte ihn alle Kraft gekostet. „Ich kann nicht mehr!“ hatte er mich sehen und verstehen lassen. So fuhr ich hin. Lange saß ich mit ihm und seiner Frau an seinem Krankenbett. Unser Gespräch wurde immer tiefer und inniger. „Es tut so gut, zusammen zu sein!“ Wir sprachen und beteten weiter miteinander und natürlich haben wir auch ein paar Witze erzählt. Als ich mich verabschiedete, sagte er: „Körperlich bin ich immer noch so schwach. Aber irgendwie geht’s mir jetzt viel besser!“
Lange hatten wir nichts mehr voneinander gehört. Doch dann gingen Mails nach Jahren wieder hin und her. „Ich muss dich noch etwas wissen lassen!“ las ich. „Vor vielen Jahren hast du mir geraten, besser nach dem „kleinen Abi“ zu greifen, als nach dem Großen. Jetzt musste ich verschiedene Entscheidungen als Musiklehrerin treffen. Ich hab mich entschieden, mein Zweitfach ganz zu lassen und musste mich dabei an deine Worte erinnern. Im Hören auf mein Herz spürte ich, dass das besser sein würde. Dein Rat hilft mir auch Jahre später noch sehr! Seit der Entscheidung, ganz auf die Musik zu setzen, atme ich auf und bin wieder die alte. Danke dir.“