Ich bin glücklich!
Schnell war Vertrauen in unserem Gespräch gewachsen, indem wir einander Anteil gaben an unserer Suche nach Gott. So erzählten wir sehr persönlich. Dann durfte ich hören: „Es gab einen Augenblick in meinem Leben, in dem ich nicht wusste, ob ich nochmals würde laufen können. Das war echt schwer. Ich habe immer an Gott geglaubt und als ich mich in diesem Augenblick betend an ihn gewandt habe, hab ich gesagt: ‚Lieber Gott, ich weiß nicht, ob es dich wirklich gibt und ob du jetzt bei mir bist. Aber ich möchte an dich glauben. Zeig mir bitte deine Nähe und lass mich, wenn es dein Wille ist, wieder laufen können.‘ Dann bin ich eingeschlafen. Als ich am nächsten Morgen wach wurde, konnte ich zum ersten Mal seit langem wieder aufstehen. Ich konnte gehen und die Schmerzen, die mich immer gelähmt hatten, waren weg. Meine Tränen konnte ich nicht mehr zurückhalten.
Nach einem langen und herausfordernden Tag hatte ich einer älteren Ukrainerin noch zugesagt, mit ihr und ihrer Nichte eine Wohnung zu besichtigen. Als ich ankam, war ich mit der älteren Dame allein und konnte mich nur mit einem Übersetzungsprogramm mit ihr unterhalten. Dabei versuchte ich ihr mit meinem Lächeln meine ehrliche Liebe zu schenken. Dann fuhren wir in eine Nachbarstadt und schauten die angebotene Wohnung an. Es muss noch vieles geklärt werden, um zu sehen, ob sie die Wohnung bekommt. Als ich die beiden dann vor der Wohnung der Nichte wieder verabschiedete, sagte mir die ältere Frau immer wieder „Spasiba!“ – „Danke!“ Dabei schaute ich ihr, wie am Beginn unserer Begegnung, lächelnd in die Augen. Dann ließ sie mich durch ihre Nichte wissen, dass ihr dieses Lächeln tief ins Herz gefallen sei, da sie darin die Sprache einer echten Liebe gespürt habe.
Nach dem Saison-Eröffnungsgottesdienst bei Borussia Dortmund hatten wir mit jungen Leuten einen Friedensmahner aufgestellt. Zwei Tage später lese ich in einer Mail: Unser Filmproduzent und ich standen mit einem langjährigen Fan von Borussia und einigen weiteren treuen Unterstützern nach der Enthüllung eures Friedensmahners noch zusammen. Vor einem Jahr hatten wir ihn und seine Frau interviewt und kannten uns daher ein wenig. Das freundliche Gespräch bekam eine abrupte Wendung, als er von der Krebserkrankung seiner Frau erzählte. Er hatte seinen Job gekündigt, um sie pflegen zu können. Traurigkeit und Bitterkeit waren auf einmal spürbar. Wir blieben bei ihm – mitten im Trubel nach dem Saison-Eröffnungsgottesdienst - und hielten seine Last mit ihm aus. Auf der Rückfahrt ging mir das Schicksal dieses Fans sehr nach. Was konnten wir tun?
Nach zwei Tagen fragte ich bei dem Filmproduzenten an, ob er das letztjährige Filmmaterial für Michael und seine Frau schneiden könne? Nicht für die Öffentlichkeit, sondern einfach nur für die beiden. Wenige Minuten später seine Antwort: Hab ich direkt an dem Abend schon mit meinem Kumpel gesprochen. Machen wir! Natürlich ohne Rechnung. Hier können wir einfach nur Gutes tun! - Was war doch die Botschaft, die auf dem Friedensmahner stand? – „Frieden auf Erden!“ in deutscher, arabischer, spanischer und englischer Sprache. Und jetzt: Ein persönliches Video – als Friedensbotschaft – mitten in Dortmund.
In der Mail einer jungen Albanerin aus unserem Netzwerk go4peace, die in Österreich studiert, lese ich: „Im Rückblick auf mein Jahr gab es auch große Herausforderungen. Manche Prüfungen verliefen nicht so, wie ich es mir erhofft hatte, und manchmal war es schwer, motiviert zu bleiben. Doch genau in solchen Momenten habe ich gemerkt, dass Rückschläge keine Niederlagen sind, sondern Chancen, an mir zu arbeiten. Ich habe gelernt, nicht aufzugeben, sondern mit Geduld und Mut weiterzumachen.“ – Letzte Woche noch ein Eis mit Viktoria und Oskar. Viktoria ist mittlerweile nach ihrem Abi für ein FSJ in Thailand eingetroffen. Oskar geht bald nach Namibia. Jetzt gerade ist Milena auf dem Weg nach Frankfurt. Sie fliegt gleich nach NYC und wird dort ein Jahr ihr FSJ absolvieren, ihr Freund geht für ein Jahr nach Ohio und dann kam gestern noch eine WhatsApp einer Schülerin: „Ich wollte dir Bescheid geben, dass ich gerade im Flieger nach NYC sitze. Es sind noch ungefähr 2 Stunden bis ich da bin. Am Freitag geht es dann los zu meiner Gastfamilie in der Nähe von Houston, Texas. Ich bin sehr aufgeregt und freue mich auf meinen Aufenthalt.“ Und in wenigen Tagen beginnen zwei Abiturient*innen ihr FSJ im Jugendzentrum Ivan Pavao II. in Sarajevo. Peer schrieb mir: „Mir geht es wirklich super, und die Vorfreude auf Sarajevo wächst von Tag zu Tag. Da der Weg von meinem Zuhause zu dir für ein Treffen leider doch ein Stückchen weit ist, werden wir uns leider nicht mehr für einen persönlichen Cappuccino treffen können. Aber ich nehme deine guten Wünsche sehr gern mit auf die Reise und sende dir ebenso herzliche Grüße zurück.“ Und wieder neu nehme ich an diesem Abend all diese jungen Menschen mit in mein Gebet im Zelt und berge sie in meinem Herzen.