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Ich bin glücklich!

 

Vor mehreren Monaten hatte ich eine ältere Frau beerdigt, die ich viele Jahre gekannt und für ihr vielfältiges soziales Engagement bewundert hatte. Beim Kondolenzgespräch über zoom waren Angehörige der Verstorbenen mit ihren vielfältigen bunten Erfahrungen und Orientierungen zu Wort gekommen. Ich hatte versucht, jedem einzelnen mit seinen Gedanken und Gefühlen Raum zu geben. Im Requiem und der anschließenden Beerdigung gelang ein lebendiges Miteinander, so dass alle Anwesenden Raum für sich und ihre Empfindungen fanden. Nun erreichte mich ein Päckchen mit selbstgestrickten Socken aus dieser Familie und einer liebevoll geschriebenen Karte, auf der ich lesen durfte: „Danke für die außergewöhnliche Trauerfeier. Die Liebe bleibt!“ Beigefügt waren die Wandersocken mit den Worten: „Ich habe viel guten Gedanken mit hinein gestrickt!“

Zu einer Hochzeit hatte sich auch der Vater der Braut aus Argentinien angemeldet. Ich wusste, dass er der deutschen Sprache nicht mächtig war. Viel würde er während der liturgischen Feier nicht verstehen. So war es mir ein Anliegen, ihm einen ganz persönlichen Augenblick zu widmen. Mithilfe eines Übersetzerprogrammes bereitete ich eine kurze Ansprache in spanischer Sprache vor. Direkt am Ende der Predigt für die Brautleute, richtete ich mich an den Vater und las die Worte vor. Tief bewegt kam er nach der Trauung zu mir und ließ mich verstehen, dass er sich zutiefst geliebt aufgenommen gefühlt habe. „Estoy muy emocionado. – Ich bin sehr bewegt!“ wiederholte er mehrmals. Mit einer herzlichen Umarmung verabschiedeten wir uns.

„Nur noch schnell ein paar Dinge einkaufen,“ kam mir in den Sinn und so war ich in den Aldi gefahren. Beim Hinausgehen traf ich eine Frau in mittleren Jahren, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Ich stellte meine Einkaufstasche ab, um sie kurz zu grüßen. Schnell waren wir in einem ehrlichen Austausch. Sie hatte ihre Schwiegermutter über Jahre gepflegt und vor wenigen Tagen war sie gestorben. Das ging ihr richtig nah. So standen wir über eine halbe Stunde und sprachen miteinander. „Oh, weißt du, ich kam gerade von den Absprachen mit dem Beerdigungs-Unternehmer und ich habe so wenig Leute, mit denen ich wirklich sprechen kann. Wie gut, dass du gerade jetzt im Aldi warst und mir so viel Zeit geschenkt hast. In meinem Erzählen konnte ich meinen ganzen Schmerz teilen und irgendwie auch schon ein wenig verarbeiten. DANKE!“