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Ich bin glücklich!

Es war früher Nachmittag. Die Kinder trudelten aus der Schule kommend zu Hause ein, eine Stunde eher als sonst. So konnten mein Mann und ich und die zwei Kinder  zusammen essen -  eine ganz seltene Begebenheit. Mein Mann fuhr danach wieder zur Arbeit, unser Jüngster spielte im Garten und ich war schon fast wieder auf dem Sprung in den Wäschekeller...
Unsere Tochter sass  noch am Tisch und blätterte in einer Zeitung, als mir unser Motto "Verweile" einfiel und dazu noch der Satz:" Nicht die, die Herr, Herr zu mir sagen...". Also bin ich sitzen geblieben und habe den Haushalt Haushalt sein lassen. Meine Tochter sagte immer noch nichts von belang, ging aber auch nicht weg. Ich fragte sie, wie denn der Tag für sie war. Sie sagte: "Oh Mama, das ist alles so anstrengend! Ich will nicht neben Xenia sitzen! Nur weil wir die gleiche Krankheit haben, soll ich neben ihr sitzen....." Sie fände Xenia ekelig und die sei so langsam und würde nicht mit ihr zusammen arbeiten, usw usw. Viele kleine und große Nöte sprudelten aus ihr heraus. Es gelang, auch geistig zu verweilen und nicht vorschnelle Lösungsansätze zu liefern. Nein, die konnte meine Tochter sich durch unser Gespräch selbst erschließen und war schließlich recht zuversichtlich, es versuchen zu wollen.
In mir stellte sich erneut eine echte Ruhe und ein tiefer innerer Friede ein, den selbst mein Mann abends noch merkte, als er fragte, woher ich in dem mittlerweile wieder stattfindenden, abendlichen Chaos, die Ruhe und Kraft hernähme....

Mit einer kleinen Gruppe hatte ich mich aufgemacht, an einem Wochenende teilzunehmen, bei dem es um das gelebte Wort des Evangeliums ging. Zunächst hatte ich abspringen wollen, aber dann war es mir geschenkt worden und ich hatte den Mut, mitzukommen. In meinem Herzen nahm ich viel Leid mit - eigenes Leid und Leid in meiner Familie.
Vom ersten Augenblick an spürte ich, in der Gruppe aufgenommen zu sein. Bei einer ersten Tasse Kaffee an einer Raststätte erzählte jeder ein wenig von sich. Dabei bekam ich mit, dass jeder aus der Gruppe mit zum Teil großen Leiderfahrungen gekommen war. Im gemeinsamen Leben merkte ich: ER ist da! Das erfüllte mich mit einer ganz tiefen Freude. Während des Wochenendes fühlte ich mich auf einmal von Gott so sehr geliebt, dass ich hätte platzen können. Diese Freude ist seit dem nicht mehr weggegangen. ER, Gott ist in mir. Ja, es stimmt: ER IST DA - FÜR MICH! Von dieser Freude getragen, konnte ich für andere  leben, denen es zurzeit nicht so gut ging und ich konnte beten.
Als ich wieder zu Hause war, hörte ich, dass mein Bruder nach langer Zeit wieder bei meiner Mutter war und sie besucht hatte. Und als meine Schwester anrief, weinte sie vor Freude.
Ja, mir ist etwas geschenkt worden, was ich nicht wieder verlieren möchte und was ich vielen Menschen weitergeben möchte. Und übrigens. Ich bin immer noch glücklich!

Unerwartet fielen zwei Termine aus. So war plötzlich der Nachmittag und der Abend frei. Zunächst wusste ich mit dieser freien Zeit nichts anzufangen und ärgerte mich ein wenig, da beide Termine später nachgeholt werden mußten. Mir kam das Motto: “Verweile!” So versuchte ich einen Augenblick lang still zu werden und Gott diese Situation im Gebet hinzuhalten. Mir gingen viele Menschen durch mein Herz. Das Bild einer jungen Frau, die kürzlich ihre Mutter verloren und nun keine Eltern mehr hatte, drängte sich mir besonders ins Bewusstsein. Ich rief sie an. Über eine Stunde konnte ich ihr zuhören, fast ohne ein Wort zu sagen. Sie erzählte, was in ihrer Seele alles geschehen war und wie sie mühsam begonnen hatte, ihre neue Rolle zu finden und zu spielen. “Und weißt du?” sagte sie, “jetzt, wo ich all das, was in meiner Seele war, zugelassen habe, spüre ich einen so tiefen Frieden in meiner Seele. Und ich bin so froh, dass ich gerade heute all das mit dir teilen konnte!”

Als die Idee des Perlenbandes im Familiengottesdienst vorgestellt wurde, war mein Mann mit unseren zwei Kindern da. Ich blieb zu Hause, da ich mich krank fühlte. Ich las den Rundbrief “Perlen des Lebens” und konnte so Anteil nehmen an diesem neuen Projekt. In der darauffolgende Woche gab es eine Situation, bei der unser Jüngster stark weinte. Sein großer Bruder, der auch erst 4 Jahre alt ist, wollte ihn trösten und sagte: “Du musst nicht Angst haben, ich bin da.” Er wiederholte dies drei-, viermal. Das fand ich so schön und ich erinnerte mich daran, dass Gott uns dies auch immer wieder zusagt: Ich bin da! Das war eine kleine und doch für mich große Erfahrung im Alltag.