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Ich bin glücklich!

Am Sonntag nach der Messe kam der Studentenpfarrer zu mir und fragte mich,  ob ich spontan Mittwoch noch Firmpatin werden könne. Er erzählte mir von einem Theologie-Studenten, der sich in der Hochschulgemeinde firmen lassen wollte. Seine Familie hatte nie besonderes Interesse an Kirche. Er hat zunächst nach der Kommunion versucht, dabei zu bleiben, aber in der Jugendzeit wurden dann doch Feiern etc. wichtiger. Irgendwie war aber doch etwas in ihm geblieben, dass er Theologie studieren wollte und so stand jetzt die  Firmung an. Beim letzten Vortreffen hatte er dann erzählt, dass er  keinen Paten finden konnte. Eine Freundin hatte zuerst zugesagt, dann  aber doch wichtigere Termine, seine Familie wohnt weit weg und hatte  keine Lust zu kommen und seine Kumpels, so sagte er, haben damit  schon gar nichts am Hut.
Ich fühlte mich “überfallen” und wollte erst noch eine Nacht darüber schlafen. Ich hab dann viel  nachgedacht über meine Firmung und was danach alles in mir aufgebrochen  ist und über die Situation des Studenten, gerne ganz in die Kirche aufgenommen sein  zu wollen, aber so alleine dazustehen, dass nicht einmal ein Mensch sich  bereiterklärt, sein Pate zu werden.
Ich entschloss mich, zuzusagen und das Patenamt zu übernehmen. Eine Dreiviertelstunde vor dem Firmgottesdienst traf ich ihn zum ersten Mal. Etwas schüchtern stand er vor der Kirche. Noch stärker wurde mir deutlich, wie alleine er  war und wie schwierig es dadurch für ihn ist, seinen Glauben  zu leben.
Es folgte dann eine wunderschöne Feier. Nach der Firmspendung schielte er kurz über seine Schulter und grinste mich an, blieb aber immer noch recht verschlossen. Und wenn ich kurz woanders war, stand er meist etwas  verloren alleine rum. Als er nach dem offiziellen Teil der Feier schnell  nach Hause fahren wollte, hab ich ihm noch ein kleines Kreuz mit der  Aufschrift: "Ich bin bei euch alle Tage" geschenkt und ihm gesagt, dass ich diese Erfahrung ganz oft machen durfte und es mein großer Wunsch  auch für ihn sei. Er war ganz gerührt und sagte: "Ich bin so froh,  endlich richtig dazuzugehören. Wenn ich sonst in die Kirche gegangen  bin, fehlte mir irgendwas, ich hatte noch nicht richtig JA zu Gott gesagt."
Ich merkte ihm an, dass er wirklich erleichtert und gelöst war, diesen Schritt getan zu haben. Ich hab ihn dann noch nach Hause gefahren  und es entstanden weitere gute Gespräche. Als wir bei ihm zu Hause  waren, verabredeten wir uns noch für den nächsten Sonntag zur Messe. Er wohnt zwar recht weit weg, aber eine Fahrgelegenheit organisierte sich auch wie von selbst. Ich bin gespannt, wo sein Weg weiter hinführen wird  und ob er endlich eine Art "Zuhause" in der Kirche bei uns in der  Studentengemeinde finden kann.
KS

Mit zwei Afrikanerinnen, die in meiner Stadt als Asylsuchende leben, hab ich einen gemeinsamen Tag in meiner Studienstadt verbracht. Es wurde ein Tag voller Geschenke! Zunächst führte uns der Weg noch - für mich unvermuteterweise - ins Rathaus unserer Stadt, da wieder offizieller “Meldetag” für die Asylanten war. Die Angestellte im Büro schien zunächst irritiert über meine Präsenz, ließ sich aber schnell überzeugen, dass es ein ungeplantes Zusammentreffen war. Sie war sehr freundlich und erzählte sogar von eigenen Erfahrungen und wünschte uns einen schönen Tag.
Meine beiden afrikanischen Freundinnen freuten sich sehr, dass sie von dieser Frau ein persönliches Wort hören konnten... Dann begann unsere Fahrt. Wir erzählten uns viel Schönes und auch Lastendes. Mariam war sehr traurig. Ihr Bruder, der ganz allein in Ghana zurückgeblieben ist, und bei einem Adoptivvater lebt, hatte in der Nacht zuvor angerufen und unter Tränen berichtet, dass der Vater sehr krank sei und er Angst habe, dass er sterben müsse. Wir teilten diesen Augenblick tiefsten Leids.
In der Stadt angekommen, ging’s zunächst zum Wochenmarkt, der immer eine Augenweide ist. Binda war ganz selig, dass sie so viele Fischstände sehen konnte. Es war ja ihre Arbeit in Angola. An viele Ständen , wo wir stehen blieben, kamen wir ins Gespräch mit den Verkäufern und durften auch so manche Leckerei kosten. Binda war sehr glücklich darüber, dass sie gleich als voll akzeptiert galt. Später trafen wir einen Bekannten, der sich sehr für die Lebensgeschichte er beiden Afrikanerinnen interessierte. Die Freude in den Augen der beiden vergesse ich nie mehr! Sie wurden wahrgenommen und zwar freudig!
Dann gingen wir weiter ins Rathaus - einen berühmten Bau. Nach kurzer Erklärung bemühte sich die Dame an der Kasse sofort französisch zu reden und spielte für uns ein französisches Demo-Band im Saal ab. Beiden bekamen sogar noch einen kleinen Stadtführer geschenkt, natürlich ebenfalls "en francais". Total nett!
So reihte sich eine nette Episode an die nächste: wir besuchten noch einige Kirchen, später den Dom. Und immer neu, im Bücherladen, in einem Café.... wurden uns freundliche Begegnungen geschenkt! Unglaublich! Meine Freundinnen haben das alles aufgesogen, wie ein Schwamm. Diese Freude! Es war so schön.
BP

Endlich! Meine Mitbewohner sind aus den Semesterferien wieder zurück. Wir verstehen uns super gut und so haben wir schon manche Stunden in der Küche verquatscht. Darüber hatte ich schon mal vergessen, zur Vorlesung zu gehen. Es war so still und ruhig in der Zeit, wo ich alleine war - ziemlich ungewohnt. Am gleichen Tag noch saßen wir wieder zusammen und erzählten von den Erlebnissen der Ferien. In dieser Woche betreue ich noch einen internationalen Studierenden, der nun für ein oder vielleicht zwei Semester in Deutschland studieren wird. Er hatte keine Küchenutensilien mitgebracht und scheinbar möchten seine Mitbewohner in seiner WG nicht, dass er deren Teller und Besteck (übergangsmäßig) mit nutzt. Ich erzählte das meinen Mitbewohnern und fragte, ob wir nicht ein klein bisschen aus unserem Allgemeingut abgeben könnten. Die Antwort kam prompt: „nimm mit und gut is!“

Mit 28 jungen Leuten waren wir auf dem Weg zum Weltjugendtag nach Madrid. Einige Tage in Vézelay hatten wir vorgeschaltet, um auf die eigenen Lebenslinien zu schauen. Tag für Tag auf den Spuren von Maria Magdalena, die in Vézelay verehrt wird, ein Motto aus dem Evangelium - wie immer.  Gib  und du wirst gewinnen. - Dann: Vergib  und du wirst gewinnen. - Und am dritten Tag: Ergib dich IHM  und du wirst gewinnen!
Mit diesem Motto im Herzen machten wir uns einen Tag lang auf den “Weg nach Santiago”, der an Vézelay vorbei führt. Nach einigen Kilometern passierten wir einen kleinen Ort St. Pierre.  Eine wunderschöne mittelalterliche Kirche vergönnte uns eine Rast. In einem Stuhlkreis sitzend begann ein Brasilianer seine Geschichte mit Jesus zu erzählen. Aus einem kleinen Dorf und aus ärmlichsten Verhältnissen stammend hatte er als kleiner Junge große Not kennen gelernt. Er wusste was Hunger ist. Zugleich kannte er die Not der Verwahrlosung. Er hatte als acht-jähriges Kind mehrfach seinen völlig betrunkenen Vater auf der Schulter nach Hause bringen müssen.

Nun war er seit einigen Monaten in Deutschland und lebte mit jungen Leuten zusammen, die auf der “Fazenda da Esperanca” mit Hilfe des gelebten Evangeliums einen Weg aus der Droge fanden. “Dort habe ich verstanden, was es bedeutet, geliebt zu werden und zu lieben. Zugleich habe ich verstanden: Ich habe nur einen leiblichen Vater auf dieser Erde. Er ist mir als mein Vater auf-gegeben. Ich spürte den Wunsch, ihn  noch mehr lieben zu  wollen. Denn so wie er nicht perfekt war, bin auch ich nicht perfekt. Aber ich brauche es auch nicht zu sein!
So hab ich ihn in Brasilien angerufen. Wir haben lange am Telefon gesprochen, über Gott und die Welt. Und dann habe ich ihm gesagt. ‘Papa, ich wollte dir noch etwas sagen.’ Dann war wieder ein kurzes Schweigen und dann habe ich ihm gesagt: ‘Ich liebe dich!’ Danach war Stille am Telefon - zwischen Brasilien und Deutschland. Und nach langen Augenblicken sagte mein Vater zu mir: ‘Ich dich auch!’”
In diesen Augenblicken begannen die meisten von uns zu weinen. Einer aus unserer Gruppe fing an, laut zu schluchzen. Auch bei ihm kam im Klima dieser Liebe seine eigene Geschichte in Bewegung. Ergib dich IHM und du wirst gewinnen!
MW