Anspannung war zu spüren.
Ein Überraschungstag für zwei Schulklassen war angesagt. Die meisten der Achtklässler waren muslimischen Glaubens. Den Lehrenden war es nach einem negativen Vorfall während einer Klassenfahrt wichtig, den Schülern Wege zu eröffnen, sich mit kultureller und religiöser Vielfalt auseinanderzusetzen. So hatte ich sie zu einer Kirchenführung eingeladen. Die erste Klasse kam an. Ich empfing sie sehr herzlich vor der Kirche. Anspannung war in den Augen der Lehrer*innen zu spüren. Ich hatte mir vorgenommen, viele persönliche Erfahrungen, die ich mit muslimischen Gläubigen gemacht hatte, zu teilen. Innerhalb weniger Augenblicke, entstand so ein Klima hoher Aufmerksamkeit und tiefen Vertrauens. Die Jugendlichen begannen Fragen zu stellen, nach dem christlichen Glauben und nach verschiedenen Gegenständen in der Kirche. Eine unerwartete Freude und Leichtigkeit wuchs. Zum Abschluss lud ich sie in ein großes Zelt ein, das in unserer Kirche steht und las das Gebet einer Muslima vor, das sie mir anvertraut hatte. Heilige Augenblicke. Ich lud alle Anwesenden ein, noch ein Wort auszusprechen, das sie jetzt im Herzen spürten. Eine Lehrerin begann: „Erleichterung“ – die Jugendlichen nahmen den Ball auf: „Dankbarkeit“ – „Erstaunen“ – „Freude“… Dann verabschiedeten wir uns. Nach wenigen Augenblicken kam drei Mädchen nochmals zurück in die Kirche. Unter ihren Kopftüchern strahlten mich sechs Augen an: „Wir wollten dir nochmals DANKE sagen, es war so schön mit dir!“